Buchpräsentation „Oskar Werner. Seine Filme“

Heute hatte ich Gelegenheit mir das neu renovierte Metro Kinokulturhaus anzusehen und zwar, im Zuge der Präsentation des Buches Oskar Werner. Seine Filme, herausgegeben von Raimund Fritz im Verlag des Filmarchiv Austria.

Fritz hatte die Möglichkeit, nachdem er bereits 2002 Oskar Werner. Das Filmbuch über das filmische Werk des titelgebenden Schauspielers ebenfalls im Eigenverlag des Filmarchiv Austria veröffentlicht hatte, durch die großzügige Zustimmung Werners Nachfahren, dessen teilweise penibel geordneten Nachlass aufzuarbeiten und so ganz neue Erkenntnisse über seine Filmlaufbahn zu gewinnen.

Oskar Werner, der 1922 in Gumpendorf, einem Teil des 6ten Wiener Gemeindebezirks als Oskar Josef Bschließmayer geboren wurde, bezeichnete den Film einmal als seine Geliebte, während er mit dem Theater verheiratet war. So nahm er Filmrollen nur an wenn er sich in einer Spielpause oder ohne Engagement befand und auch dann nur, wenn ihn die Rolle, die kein psychologisches Abziehbild sein sollte, wahrhaftig interessierte. Nachdem sich Werner durch kleine Komparsenrollen beim Film und ersten Sprechrollen bei kleinen Wiener Kabarett- und Theaterbühnen einen Namen gemacht hatte, wurde er im Oktober 1941 ans Burgtheater engagiert. Seine Spieltätigkeit wurde jedoch immer wieder durch die Einberufung zum Dienst in der Wehrmacht unterbrochen. Unter den Eindrücken der Novemberprogrome 1938, den Erlebnissen als Soldat und der Bedrohung durch die Nationalsozialisten aufgrund seiner Verbindung mit der halbjüdischen Schauspielkollegin Elisabeth Kallina, mit der er ab 1944 verheiratet war und eine gemeinsame Tochter hatte, sollte Werner zeit seines Lebens als überzeugter Pazifist gegen Nationalismus und Antisemitismus kämpfen.

Seine schauspielerische Blütezeit erlebte Werner in der 1950er und beginnenden 1960er Jahren. Vor allem seine Interpretation von Shakespeares Hamlet wurde legendär und selbst von abgebrühten Kritikern über die Maßen gelobt. Vor allem Werners unverwechselbares Timbre wurde bewundert und geliebt und war Grund für zahlreiche Hörspiel-Aufnahmen. Seine erste große Filmrolle hatte er im hochkarätig besetzten Der Engel mit der PosauneDarauf folgte ein 7-Jahres-Vertrag bei 20th Century Fox, der jedoch bereits 1951 wieder aufgelöst wurde. In diesem kurzen Zeitraum entstand jedoch der zweifach oscarnominierte Film Decision Before Dawn1955 spielte er bei der Wiedereröffnung des Burgtheaters im sogenannten „Jahrhundert-Don-Carlos“ die Titelrolle und erntete erneut Begeisterungsstürme seitens des Publikums wie der Kritiker.

1961 schließlich gelang Werner durch Truffauts Film Jules et Jim der internationale Durchbruch und machte Regisseur und Hauptdarsteller zu engen Freunden. Es folgten Filme wie Ship of Fools oder The Spy Who Came In From The Cold und die nächste Zusammenarbeit von Truffaut und Werner, Fahrenheit 451die jedoch gleichzeitig zum Zerbrechen der Freundschaft führte, da die beiden zu unterschiedliche Vorstellungen von der Inszenierung der Hauptfigur hatten und im Zuge der Dreharbeiten immer weiter auseinander drifteten. Ende der 1960er Jahre wurden seine filmischen Auftritte immer seltener und er konzentrierte sich vermehrt auf Hörspiele und Leseinszenierungen.

Raimund Fritz und die mitwirkenden AutorInnen geben in diesem wunderbaren Buch einen faszinierenden und umfangreichen Einblick in die facettenreiche Welt des Oskar Werner. Für alle Fans und die die es noch werden wollen ist es eine spannende Lektüre mit vorher noch nicht gekannten Details seiner Biographie.

Das, mit einem gut gelungenen Mix aus Tradition und Moderne neu eröffnete Metro Kinokulturhaus das eine fruchtbare Kooperation mit dem Filmarchiv Austria eingegangen ist, beherbergt nun auch einen gut ausgestatteten Shop, in dem die liebevoll und aufwändig erarbeiteten Bücher, sowie DVD´s, Poster und andere Veröffentlichungen des Filmarchiv-Verlags erworben werden können. Neben dem vorgestellten Buch habe ich gleich noch einmal zugeschlagen und meine kleine Billy-Wilder-Fachbibliothek um ein weiteres Buch erweitert:

Billie © Angela Sirch

Billie © Angela Sirch

Nach der einleitenden Rede des Herausgebers wurde Georg Wilhelm Pabsts Film Der letzte Akt gezeigt, in dem Oskar Werner als systemkritischer Hauptmann der Wehrmacht auftritt und neben dem großartigen Albin Skoda als Adolf Hitler (die erste Darstellung Hitlers in einem deutsch-österreichischen Spielfilm seit Ende des Nationalsozialismus) die beklemmende Chronik der letzten Tage im Führerbunker in Berlin nachzeichnet. Dieses 1955 veröffentlichte, mutige Werk das die menschenverachtenden und abscheulich absurden Vorgänge dieses „letzten Akts“ des Zweiten Weltkriegs aufzeigt, lässt einen zutiefst betroffen und nachdenklich zurück. Aber auch mit einer noch größeren Bewunderung für den facettenreichen Regisseur Pabst, den man nie in eine Schublade stecken konnte. Das Zusammenspiel der zwei Querdenker Werner und Pabst war tatsächlich das beste Beispiel, um dieses Buch zu präsentieren.

Mit der Empfehlung, Oskar Werner. Seine Filme der hauseigenen Bibliothek zuzuführen und sowohl im übrigen Filmarchiv-Sortiment als auch dem kommenden interessanten Metro-Filmprogramm zu stöbern, verbleibe ich mit ein paar bildlichen Eindrücken des Abends 😉

Foyer Metro © Angela Sirch

Foyer Metro © Angela Sirch

Shop Filmarchiv © Angela Sirch

Shop Filmarchiv © Angela Sirch

Shop Filmarchiv © Angela Sirch

Shop Filmarchiv © Angela Sirch

Treppe Metro © Angela Sirch

Treppe Metro © Angela Sirch

Ein Hauch Viennale © Angela Sirch

Ein Hauch Viennale © Angela Sirch

Saal Metro © Angela Sirch

Saal Metro © Angela Sirch

Balkon Metro © Angela Sirch

Balkon Metro © Angela Sirch

Header: Oskar Werner. Seine Filme © Angela Sirch

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