Zwei Tage, eine Nacht

Sandra ist am Ende ihrer Kräfte. Gerade erst hat sie eine schwere Depression überwunden, möchte in ihren Job zurück kehren und dann die Hiobsbotschaft: sie wird gekündigt. Man hätte während ihrer Abwesenheit gesehen, dass die Arbeit auch von 16 Mitarbeitern bewältigt werden kann und außerdem, bestünde die Gefahr, dass sie durch ihre Krankheit, der Arbeit nicht gewachsen ist. Es gibt eine Abstimmung unter den Mitarbeitern darüber, ob sie eine Prämie von 1.000 Euro erhalten wollen oder, dass Sandra ihren Arbeitsplatz zurück bekommt. Die Wahl fällt auf die Prämie, doch das wollen Sandra und ihre beste Freundin auf der Arbeit nicht auf sich sitzen lassen und erreichen, nach Vorsprache beim Chef, dass am darauffolgenden Montag noch einmal abgestimmt wird. Da sich das Leben mit Mann und zwei Kindern in einem kleinen Haus nur finanzieren lässt, wenn sie einen Job hat, beschließt Sandra ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Sie besucht die Kollegen daheim und bittet sie für sie zu stimmen. Immer wieder erlebt sie Rückschläge  und muss neben dem Kampf um ihre Existenz auch noch jenen gegen ihre innere Leere und Dunkelheit bestreiten. Immer wieder steht sie kurz davor aufzugeben, hat das Gefühl eine Bittstellerin und ein Nichts zu sein und wird von ihrem Mann immer wieder angetrieben nicht aufzugeben. Doch es benötigt erst das Ankommen am persönlichen absoluten Tiefpunkt um Sandra die Kraft zurück zu geben die sie braucht.

Zwei Tage, eine Nacht ist ein ruhiger, fein gestalteter Film der vor allem durch die herausragende Leistung von Marion Cotillard zu strahlen beginnt. Es ist eine Geschichte die unser Leben im Kapitalismus klar und aussagekräftig zusammenfasst. Es geht um die Frage nach Solidarität unter Kollegen die ökonomisch und gesellschaftlich im selben Boot sitzen, aber auch um Mitgefühl und Respekt für Menschen, die sich trotz des Kampfes an mehreren Fronten nicht unterkriegen lassen. Cotillard schafft es diese zerbrechliche und gleichzeitig sehr zähe Frau facettenreich darzustellen und wenn sie wieder einmal ihre Stimme verliert und das Gefühl hat an ihren Ängsten zu ersticken, fühlt man es als Zuschauer so sehr mit, dass man selbst einen Kloß im Hals bekommt. Sehr schön auch, die unterschiedlichen Standpunkte ihrer Kollegen. Die einen die aggressiv werden, weil sie das Gefühl haben beraubt zu werden. Auf der anderen Seite jene, die selbst vor dem existenziellen Ruin stehen, wenn sie auf ihre Prämie verzichten und sich dabei gleichzeitig nicht mehr im Spiegel ansehen können, weil sie einer Freundin die Unterstützung verwehren. Der neueste Film der Brüder Dardenne zeigt wie ein Ausbeutersystem Arbeiter in die Situation bringt, dass sie es sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht leisten können solidarisch mit ihren Kollegen zu sein. Er ist aber auch voller Hoffnung und mit der Rolle von Sandras Mann, zeigt er das Rezept das nötig ist, um an der Seite eines geliebten Menschen der an Depressionen leidet zu stehen: Stärke, Mut, Optimismus, Verständnis und sehr viel Liebe.

Credits

Originaltitel Deux jours, une nuit   Land Frankreich, Belgien, Italien   Filmlänge 95 Minuten   Jahr 2014   Kinostart AUT 31.Oktober 2014   Kinostart Frankreich 21.Mai 2014   Genre Drama   Regie Jean-Pierre und Luc Dardenne   Drehbuch Jean-Pierre und Luc Dardenne   Musik –   Produktion Jean-Pierre und Luc Dardenne, Denis Freyd, Peter Bouckaert, Valerio De Paolis, Delphine Tomson, Arlette Zylberberg   Filmstudio Les Films du Fleuve, Archipel 35, BIM Distribuzione und 17 weitere   Verleih AUT trifilm GmbH Film- und Fernsehproduktion   DarstellerInnen Marion Cotillard, Fabrizio Rongione, Catherine Salée, Batiste Sornin, Pili Groyne, Simon Caudry, Lara Persain, Alain Eloy   Drehorte Seraing, Wallonien, Belgien

http://www.imdb.com/title/tt2737050/

Header: Filmstill © http://www.lesfilmsdufleuve.be/fr/films-termines-2/Deux-jours-une-nuit

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