KINOJUWELEN: Tuschinski-Theater (NED)

Das Tuschinski-Theater in Amsterdam wurde nach den Plänen von Hijman Louis de Jong errichtet, der zusammen mit D. J. Klaphaak die Bauleitung inne hatte, während der Innenbereich von Japp Gidding und Pieter den Besten gestaltet wurde. De Jong tat dies im Auftrag von Abraham Icek Tuschinski, der bereits Betreiber von vier weiteren Kinos in den Niederlanden war. Für das Fundament des Bauwerks wurden 1200 Holzpfähle benötigt, die von Tuschinski in Deutschland bestellt wurden. Aufgrund der Wirren nach dem 1.Weltkrieg kam es jedoch zu Lieferverzögerungen, weshalb Tuschinski 1919 kurzerhand selbst nach Wiesbaden fuhr und die ersten Pfähle mit einem Frachtschiff über den Rhein nach Amsterdam brachte.

Der Bau der im Oktober 1921 fertig gestellt wurde, kostete insgesamt 4 Millionen Gulden und ist eine wilde Mischung aus Art Déco-Stil mit Anklängen aus der Amsterdamer Schule und der Neugotik. Die Fassade hat zwei auffällige Türme und ist mit glasierten Ziegeln, Keramikskulpturen und schmiedeeisernen Gittern und Lampen verziert. Das Kino verfügte über eine damals revolutionäre Heizungs- und Klimaanlage, die eine gleichbleibende Temperatur im gesamten Kinosaal garantieren sollte. Die Kinoorgel des Großen Saals stammt von der bekannten amerikanischen Rudolph Wurlitzer Company und wurde 1940 durch eine Orgel Model 160 ersetzt, die bis heute erhalten und bespielbar ist. Das Tuschinski-Theater wurde vervollständigt durch einen kleinen Saal mit 250 Plätzen, ein japanisches Teezimmer, eine maurische Suite, elegante Foyers und wurde am 28.Oktober 1921 mit einer Gala eröffnet, bei der orgelbegleitete Kurzfilme gezeigt und Orchesterwerke vom hauseigenen Orchester gespielt wurden. Am selben Tag wurde im kleinen Saal das Cabaret La Gaité eröffnet, in dem in den folgenden Jahren alle großen niederländischen Varietékünstler auftraten, bis es ab 1934 vom emigrierten Berliner Komponisten und Kabarettisten Rudolf Nelson als Exilkabarett geführt wurde.

Als Amsterdam 1940 von den Nationalsozialisten besetzt wurde, wurde das Tuschinski-Theater für drei Monate geschlossen, anschließend von der Tobis-Cinéma-Film AG in Tivoli umbenannt und somit arisiert. Tuschinski, der durch das Bombardement Rotterdams drei seiner Kinos verloren hatte und somit vor dem Konkurs stand, wurde ebenso wie seine Frau, sein Schwager, seine Mitarbeiter und Architekt Hijman Louis de Jong verhaftet, deportiert und in Auschwitz ermordet. Nach dem Ende des 2.Weltkriegs wurde das Kino wieder in Tuschinski-Theater umbenannt.

Das Kino ist nicht nur für seine abwechslungsreichen Programme bekannt, sondern auch als Konzertstätte, die bereits musikalische Größen wie Marlene Dietrich, Fats Domino oder Judy Garland beherbergte. Obwohl die Wurlitzer-Orgel noch spielbar wäre, wird sie seit 1974 nicht mehr genutzt, nachdem man sie jahrelang zur Unterhaltung vor den Kinovorführungen genutzt hatte. Zudem wurde 1969 das hauseigene Orchester aufgelöst.

Von 1998 bis 2002 wurde das Tuschinski-Theater umfassend außen und innen renoviert, durch einen neuen Flügel erweitert und 2000 von der Kinokette Pathé übernommen, weshalb es seit nunmehr 14 Jahren den Namen Pathé Tuschinski trägt. Das Kino zeigt sowohl niederländische als auch Hollywood-Produktionen und ist die Hauptspielstätte des International Documentary Film Festival Amsterdam

Eingangsbereich © http://t1p.de/71td

Eingangsbereich © http://t1p.de/71td

Großer Saal © http://t1p.de/vy3d

Großer Saal © http://t1p.de/vy3d

Deckenbeleuchtung © http://t1p.de/vbem

Deckenbeleuchtung © http://t1p.de/vbem

Deckenbemalung © http://t1p.de/p2i7

Deckenbemalung © http://t1p.de/p2i7

Eingänge zu den Sälen © http://t1p.de/486h

Eingänge zu den Sälen © http://t1p.de/486h

Zweites Foyer © http://t1p.de/969v

Zweites Foyer © http://t1p.de/969v

Verzierungen an der Fassade © http://t1p.de/3r3x

Verzierungen an der Fassade © http://t1p.de/3r3x

Premiere "Der Lohn der Angst" im Jahr 1953 © http://t1p.de/d2ke

Premiere „Der Lohn der Angst“ im Jahr 1953 © http://t1p.de/d2ke

Tuschinski-Theater Front ©http://static0.trouw.nl/static/photo/2011/3/6/12/album_large_987927.jpg

Tuschinski-Theater Front ©http://static0.trouw.nl/static/photo/2011/3/6/12/album_large_987927.jpg

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