KINOJUWELEN: Paramount Theatre (USA)

Das Theater wurde in den späten 1920er Jahren als Kinopalast erbaut. Es wurde im Zuge eines groß angelegten Bauprojekts von Adolph Zukors Paramount Publix Corporation (dem Vorgänger der heutigen Paramount Pictures) errichtet und dem Architekten Timothy L. Pflueger aus San Francisco zugeteilt. Dieser war auch für das Design des Castro Theatre verantwortlich (das ich in einem früheren KINOJUWELEN-Beitrag vorgestellt habe).Ein paar Jahre und 3 Millionen Dollar später wurde das Kino am 16.Dezember 1931 mit einer Galapremiere eröffnet zu der unter anderem Hollywood-Schauspielerin Kay Francis erschienen, deren Film The False Madonna gezeigt wurde. Weiters gab es eine kurze Fox Movietone-Nachrichtensendung, den Cartoon-Kurzfilm The Spider and the Fly und Musik vom hauseigenen 16-köpfigen Orchester unter der Leitung von Lew Kosloff. Zum Abschluss des Abends gab es noch eine 40-minütige Revue mit Komödianten, Tänzern und Akrobaten.

Der Filmpalast war an Pracht kaum zu überbieten. Die 34 Meter hohe mit Mosaiken verzierte Fassade und das riesige Neonschild waren beeindruckend, aber nur solange bis man das Innere des Gebäudes betrat. Den Anfang macht eine 18 Meter hohe Lobby an deren Seitenwänden vertikale grüne Licht-Paneele verliefen. Die Wände selbst waren in Rot gehalten mit goldenen Verzierungen und die Decke sowie die Rückwände waren mit einem leuchtenden Gitterwerk verziert. Überall fanden sich teure und seltene Materialien wie z.B. balinesisches Rosenholz oder italienischer Marmor. Das Auditorium ist jedoch das Glanzstück des Kinos. An den Wänden sind goldene Bibelfiguren verewigt und die Decke ist Goldwindungen geschmückt. Außerdem gibt es eine eigens für die Paramount Publix-Kinos entworfene Wurlitzer-Orgel im Kinosaal: eine Publix I (Opus 2164) die 1931 an die 20 000 Dollar kostete.

Bereits ein Jahr nach der prachtvollen Eröffnung, musste das Paramount für 1 Jahr schließen, da man die wöchentlichen Ausgaben von 27 000 Dollar nicht bewältigen konnte. Gerade als das Paramount fertig war, waren die Zeiten in denen man einen Kinopalast mit eigenem Orchester, Bühnenshows und uniformierten Bediensteten betreiben konnte vorbei. Im Mai 1933 wurde das Haus wieder eröffnet, nun unter der Leitung von Frank Burhans, der ein Sparprogramm einleitete, um das Kino aus den Schulden zu führen. Die Bühnenshows und das Orchester wurden gestrichen und er ließ zahlreiche Glühbirnen aus den Fassungen schrauben, um die Energiekosten zu senken.

Im Zweiten Weltkrieg war der Hafen von Oakland ein reger Ankunfts- und Abfahrtsort für Soldaten. Davon profitierte das Paramount, da es den Ankömmlingen ein bisschen Kurzweil in schweren Zeiten bot. In den 1950er Jahren wurden Popcorn-Maschinen und Süßigkeiten-Stände integriert und die weiß glühenden Lichter an den Wänden der Lobby wurden durch rote und blaue Neonröhren ersetzt. 1953 zeigte man den ersten Cinemascope-Film und Elvis Presleys Jailhouse Rock lockte 1957 zahlreiche junge Menschen ins Kino. Ende der 1950er Jahre hatte man immer mehr gegen das aufkommende Medium Fernsehen zu kämpfen, auf das man zunächst erfolgreich mit Talentshows und Quiz-Abenden reagierte.

1970 jedoch, musste das Paramount ein weiteres Mal seine Pforten schließen, da man den Konkurrenzkampf mit den kleinen Vorstadt-Kinos verloren hatte. Die Räume des Kinos wurden 1971 für den Film The Candidate als Drehort benutzt. Im Oktober 1972 kaufte das Oakland Symphony Orchestra das leer stehende Gebäude un renovierte es. Die Sitze wurden erneuert, die Sitzreihen mit größerem Abstand gesetzt, die Popcorn- und Süßigkeiten-Ausgaben entfernt und zwei Bars installiert. Am 22.September 1973 wurde das Haus in altem 30er Jahre-Glanz wieder eröffnet. Doch auch diese neue Ära stand unter keinem guten Stern. Bereits zwei Jahre später war das Orchester bankrott und verkaufte das Gebäude für 1 Million Dollar an die Stadt Oakland, unter der Bedingung für die nächsten 40 Jahre fix gebucht zu werden. Daraufhin schlossen sich sieben Privatleute zusammen und schlugen der Stadt vor das Paramount als Non-Profit-Organisation zu Gunsten der Stadt zu führen, womit die Verantwortlichen einverstanden waren. Diese Führungsstruktur besteht bis heute.

Jeden erste und dritten Samstag im Monat kann man an einer öffentlichen Führung durch das prächtige Gebäude teilnehmen und einer Zeitreise in die 1930er Jahre beiwohnen. Das Paramount wurde in das National Register of Historic Places aufgenommen und ist sowohl eine California Registered Historical Landmark als auch eine U.S. National Historical Landmark.

Heute wird der ehemalige Filmpalast, der nun Paramount Theatre of the Arts heißt, hauptsächlich von der Oakland East Bay Symphony bespielt die sowohl klassische Konzerte als auch Ballett-Aufführungen in Koorperation mit dem Oakland Ballett bietet und sich stark im Bereich Musikvermittlung engagiert. Außerdem beherbergte das Paramount seit Mitte der 70er Jahre zahlreiche Pop-, Rock- und Jazz-KünstlerInnen wie Bob Marley & The Wailers, Natalie Cole, Bonnie Raitt, Bruce Springsteen & the E-Street Band, Tori Amos und Prince. Weiters gab und gibt es Stand Up Comedy-Events und Classic Movie NIghts zu sehen. Letztere erfreuen sich besonderer Beliebtheit und inspirieren die Gäste oft zu schicken Kostümen.

Der französische Photograph Franck Bohbot hat das Paramount Theatre und seinen Glanz alter Zeiten in wunderschönen Bildern festgehalten…diese Bilderstrecke könnt ihr euch hier ansehen.

Paramount Theatre Homepage

Paramount Theatre Facebook 

Header: Auditorium des Paramount Theatre © https://c1.staticflickr.com/7/6025/6018759323_3ac020ebc5_z.jpg

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