Foxcatcher

Bennett Miller wagt sich nach seinem letzten Film Moneyball (2011) erneut an eine Sportler-Biographie. Foxcatcher erzählt die Geschichte der Brüder Mark und Dave Schultz, beide ihres Zeichens Olympia-Medaillen Gewinner im Wrestling. Während der ältere Dave seinen Platz als Trainer und somit ein sicheres Einkommen für seine Familie gefunden hat, trainiert Mark weiter in den wenig ansprechenden Hallen, residiert in einer kargen kleinen Wohnung und hält für 20 Dollar Motivations-Vorträge für gelangweilte Schulkinder. Doch sein ewig gleiches Leben wird von einem Anruf jäh aus dem Dornröschenschlaf gerissen. Er wird zum Milliardär John du Pont beordert der Mark anbietet, bei ihm zusammen mit der amerikanischen Wrestling-Mannschaft für die Weltmeisterschaft und weiters für die nächsten Olympischen Spiele zu trainieren. Was sich zunächst als die große Chance seines Lebens darstellt, gerät für Mark und in weiterer Folge auch für seinen Bruder Dave immer mehr zum Albtraum.

Getragen wird der Film von den drei Hauptdarstellern, allen voran Steve Carell, den man bisher eher aus unterhaltsamen Slapstick-Komödien kannte. Carell liefert hier ein zugleich bewundernswertes wie auch beängstigendes Meisterstück ab. Von seinem ersten Auftritt bis zum fatalen Ende des Films baut er eine ständige beklemmende und bedrohliche Spannung auf. John du Pont wirkt wie ein Druckkessel, bei dem man nie weiß wann er explodiert. Carell schafft es, dass seine Figur trotz vieler Anlässe nie der Lächerlichkeit Preis gegeben wird, denn man sieht was ihn zu all der Egomanie, Kontrollwut und schließlich in den Wahnsinn treibt: das vergebliche Streben nach Liebe und Anerkennung von der einzigen Person in seinem Leben, die er wirklich beeindrucken will.

Doch auch Tatum und Ruffalo als Mark und Dave Schultz brillieren. Sie zeigen eine Beziehung zwischen Brüdern, die ihr nicht immer einfaches Leben dem Leistungssport gewidmet haben, sich trotz des Konkurrenzkampfes aneinander festhalten und stützen. Ganz ohne Sentimentalitäten wird hier neben dem Hauptstrang des Filmes eine berührende Bruderliebe gezeichnet. Die drei Charaktere sind mit sehr viel Tiefgang gestaltet und man lernt sie und ihr Verhalten zu verstehen, auch wenn es noch so absurd sein mag, lernt ihre Facetten und ihre bisherigen Leben kennen. Leben die oft geprägt sind von Einsamkeit, Orientierungslosigkeit und dem Gefühl, sich unverstanden und zu wenig wertgeschätzt zu fühlen.

Völlig zu Recht sind Carell, Ruffalo, Regisseur Miller und die beiden Drehbuchautoren Frye und Futterman für Academy Awards nominiert. Miller ist ein fesselndes Kammerspiel gelungen, dass nicht nur gekonnt die Psychen seiner  Figuren entschlüsselt, sondern auch Zepter und Reichsapfel des Kapitalismus analysiert: Macht und Geld.

Credits

Originaltitel Foxcatcher   Land USA   Filmlänge 134 Minuten   Jahr 2014   Kinostart AUT 05. Februar 2015   Kinostart USA 16. Januar 2015   Genre Drama/Biographie   Regie Bennett Miller   Drehbuch E. Max Frye, Dan Futterman   Musik Rob Simonsen   Kamera Greig Fraser   Produktion Bennett Miller, Anthony Bregman, Megan Ellison, u.a.   Filmstudio Annapurna Pictures, Likely Story, Media Rights Capital   Verleih AUT Polyfilm   DarstellerInnen Steve Carell, Channing Tatum, Mark Ruffalo, Sienna Miller, Vanessa Redgrave, Anthony Michael Hall, u.a.   Drehorte  Pittsburgh, USA u.v.m.

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Header: Steve Carell in Foxcatcher © http://cdn.collider.com/wp-content/uploads/foxcatcher-steve-carell1.jpg

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