KINOJUWELEN: Civic Theatre (NZL)

Der Filmpalast Ecke Queen Street und Wellesley Street in Auckland City, Neuseeland wurde von Thomas O´Brien erdacht, der in den 1920er Jahren einige reiche Geschäftsmänner um sich geschart und sich einen Kredit von 180 000 Dollar bei der Bank of New Zealand genommen hatte, um seinen Traum von einem atmosphärischen Kino zu verwirklichen. Um sich inspirieren zu lassen, reiste O´Brien durch die Welt und beauftragte schließlich die Architekten Bohringer, Taylor und Johnson aus Melbourne mit dem Entwurf. Das Architekten-Trio zeichnete zu diesem Zeitpunkt bereits für diverse Theater in Australien verantwortlich. Heute ist das Civic Theatre jedoch das einzige bestehende Beispiel ihrer Arbeit. Für die Stuckarbeiten zog das Team den Schweizer Arnold Zimmerman hinzu, ein Dekorateur der seit 1923 in Sydney lebte.

In sagenhaften 33 Wochen errichtete die Fletcher Construction Company das stolze Gebäude. Über 100 Männer verarbeiteten unter anderem 500 Tonnen Zementputz und 20 Tonnen Modelliermasse. Das Filmtheater wurde aus Stahlbeton erbaut und hatte einige Neuerungen zu bieten: einen Wintergarten im Erdgeschoss, einen anhebbaren Orchestergraben und die zweitgrößte Wurlitzer-Orgel in der südlichen Hemisphere. Es handelte sich dabei um eine Opus 2075, bei welcher der Organist in schwindelerregenden 11 Metern Höhe über dem Publikum Platz nahm. Die beiden mit jeweils fünf riesigen Gitterwerken geschmückten Frontseiten des Gebäudes verbindet ein Turm, der sich an der Straßenecke befindet und über den man in das Foyer gelangt. Dieses ist im indischen Stil gestaltet. Zwischen prachtvollen Säulen befinden sich Nischen, in denen unterschiedlich gestaltete Buddahs sitzen. Die Wandgemälde zeigen indische Szenen wie z.B. die Hochzeit einer Prinzessin. Über allem befinden sich zwei große Luster aus Glas und Bronze, auf denen wiederum fackelartige kleine Lampen angebracht sind, die von Stuck-Elefanten und -Krokodilen gehalten werden. Elefanten, Panthern und anderen exotischen Tieren begegnet man auch noch andernorts. Eine massive Treppe führt einen vom Foyer ins Café und zum Wintergarten, der einst als Varieté und Teesalon (Alkohol durfte nicht ausgeschenkt werden) verwendet wurde. Er bot 1500 Menschen Platz, öffnete um 21h 30 und diente der Abendunterhaltung mit Tanz, Vier-Gänge-Menü und einer Eiscreme-Maschine die wohl auch den letzten Gast zufrieden stellte. Im Erdgeschoss findet man zudem einen dekorativen Wasserpool, bewacht von einem Panther, der als Wasserspeier dient. Das Herzstück des Filmtheaters ist aber selbstverständlich das Auditorium, das rund 3500 Besuchern Platz bietet. Es ist im maurischen Stil gehalten und erinnert an die Alhambra in Spanien. Das Proszenium ist von zwei großen Minaretten eingerahmt und über allem prangt ein funkelnder Nachthimmel. Um die an die Wände gemalte maurische Stadt winden sich Schlingpflanzen und man findet sich zwischen Blumen, Bäumen und Palmen wieder.

Das Civic Theatre wurde am 20.Dezember 1929 eröffnet und kostete am Ende 200 000 Dollar. Leider hatte sich O´Brien den denkbar schlechtesten Zeitpunkt ausgesucht, denn die Große Depression stand unmittelbar bevor. Das Kino ließ seinen Erbauer bankrott zurück, doch es blieb erstaunlicherweise erhalten. Im 2.Weltkrieg erfuhr es ein Revival. Die Soldaten suchten Unterhaltung und fanden diese nicht nur im Kino, sondern auch im Wintergarten, wo Tänzerinnen wie Freda Stark umjubelte Auftritte feierten. Trotz dieser erfolgreichen Zeiten ist es ein wahres Wunder, dass sich dieses Kinojuwel jahrzehntelang gehalten hat und keiner Abrissbirne zum Opfer fiel.

Im Jahr 2000 wurde das Civic Theatre schließlich generalsaniert. Durch die rasante Bauzeit im Jahr 1929, war das Gebäude nicht gerade solide gebaut worden und es mussten rund 4 Millionen Dollar in die Renovierung investiert werden. Das meiste Geld verschlang die Adaption der Bühne für Live-Shows. In Zeiten wie diesen, kann ein Theater das einen Saal für 3500 Menschen besitzt nicht mehr allein als Kino betrieben werden. Bei der Restaurierung wurde aus der außergewöhnliche Flamingo-Vorhang der Bühne neu genäht, nach dem Vorbild des Originals.

Blick auf die Bühne © http://zenaida.travel/zdat14/wp-content/uploads/180606edge11sml0.jpg

Blick auf die Bühne (mit Flamingo-Vorhang) © http://zenaida.travel/zdat14/wp-content/uploads/180606edge11sml0.jpg

Civic Theatre Homepage 

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Header: Bühne des Civic Theatre © http://cinematreasures.org/theaters/842

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