Conducta

Chala ist ein Junge in der Blüte seiner Pubertät. Er hat immer einen frechen Spruch auf Lager, veranstaltet Wettspielchen und anschließende Prügeleien am Schulhof und versucht die Mädchen zu beeindrucken. Doch Chala macht nicht nur Probleme, er hat auch einige. Seine alkohol- und tablettenabhängige Mutter ist Alleinerzieherin und Chala muss als Ernährer eine Verantwortung übernehmen, der er nicht gewachsen ist. Sein Anker in diesem stürmischen Leben ist die alternde Lehrerin Carmela, die mit der richtigen Mischung aus Liebe und Strenge versucht den jungen Menschen ein Netz zu geben, auf das sie sich verlassen können, auch wenn ihr Leben oft aus den Fugen gerät. Zum Beispiel wenn ein Mitschüler schwer erkrankt oder der von Chala verehrten Einserschülerin Yeni ein Schulverweis droht, weil ihr Vater arbeitslos und in einem Vorort von Havanna gemeldet ist, weshalb Yeni eigentlich keine Schule in der Haupstadt besuchen dürfte. Carmela, die kurz vor der Pension steht ist müde, aber sie ist auch stark und je älter sie wird, desto weniger lässt sie sich etwas von einem System vorschreiben, dass nach festen, ewig gestrigen Regeln und Vorschriften funktioniert, die den Menschen und seine Probleme außen vor lassen.

Es verwundert nicht, dass Daranas´ Film auf Kuba für Diskussionen, aber auch für volle Kinosäle gesorgt hat. Carmela ist die Paradefigur der engagierten Lehrerin: sie ist streng, aber gerecht und sie zeigt den jungen Menschen, die meist weit entfernt sind von einer unbeschwerten Kindheit, dass es jemanden gibt, dem sie wichtig sind und auf den sie sich verlassen können. Das Schönste an diesem Film ist aber die Entdeckung von Armando Valdes Freire, dem Darsteller von Chala. Er erschafft mit seinem intensiven, authentischen Spiel einen facettenreichen und sehr liebenswerten Charakter und bald geht es einem wie Carmela: im einen Moment möchte man ihm einen Klaps auf den Hinterkopf geben, im nächsten will man ihn ganz fest umarmen. Neben der realistischen und berührenden Coming-of-Age Geschichte, ist die feinsinnige System-Kritik das zweite Kernstück des Films. Gerade beim Schulsystem, das bis heute als eines der besten in Mittel- und Südamerika gilt, setzt die Betrachtung an. Fest gefahren in starren Parteiregeln, die alles nur Schwarz und Weiß, richtig und falsch sehen. Doch gerade die Jugendzeit, vor allem in einem armen Umfeld ist ein Konzert aus Grautönen, bei dem man einen guten Dirigenten braucht.

Ein kritischer, vielschichtiger Blick auf Kuba, seine allesbestimmende Politik, junge Menschen die von ihren Umständen an die Schwelle zur Kriminalität gedrängt werden und eine mutige Lehrerin, die sie von dort wieder zurück auf einen sicheren Weg zieht.

CREDITS

Originaltitel Conducta

Land Kuba

Filmlänge 108 Minuten    

Jahr 2014    

Kinostart AUT 08. Mai 2015    

Genre Drama    

Regie Ernesto Daranas

Drehbuch Ernesto Daranas    

Musik Juan Antonio Layva, Magda Rosa Galbán

Kamera Alejandro Pérez

Ton Juan Carlos Herrera

Schnitt Pedro Suárez

Produktion RTV Comercial, Instituto Cubano del Arte e Industrias Cinematográficos, Ministry of Culture

Verleih AUT Polyfilm

DarstellerInnen Miriel Cejas, Yuliet Cruz, Armando Valdes Freire, Amaly Junco, Silvia Águilla, Idalmis Garcia, Armando Miguel Gómez, Alina Rodríguez, u.a.     

Drehorte Havanna u.a. Orte auf Kuba

Header: Filmstill „Conducta“ © https://www.trigon-film.org/de/movies/Conducta/photos/1200/conducta_01.jpg

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