Die Frau in Gold

Der neueste Film von Regisseur Simon Curtis, der auch für My Week with Marilyn verantwortlich zeichnete, behandelt die Ereignisse rund um die Restitution des Klimt-Gemäldes Adele Bloch-Bauer I. Maria Altmann, die Nichte der Kunstliebhaberin Adele Bloch-Bauer, die für das kostbare Bildnis Model stand, findet in den späten 1990er Jahren, Briefe im Nachlass ihrer verstorbenen Schwester. Diese dokumentieren den Versuch, von den Nazis gestohlene Bilder die sich im Besitz der wohlhabenden Familie Bloch-Bauer befanden wieder zu erlangen. Altmann möchte der Angelegenheit nachgehen und engagiert den Sohn einer guten Freundin, der Junganwalt und Nachfahre des Komponisten Arnold Schönberg ist. Obwohl sich Maria Altmann geschworen hat, niemals in das Land zurück zu kehren, dass so viel Leid über sie und ihre Familie gebracht hat, macht sie sich mit Randy Schönberg auf nach Wien, um sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen, gegen die Unnachgiebigkeit der damaligen österreichischen Regierung und um ihr rechtmäßiges Erbe zu kämpfen.

Der Restitutionsfall rund um Maria Altmann ist ein Spiegel dafür, wie Österreich jahrzehntelang mit seiner eigenen Vergangenheit und den Opfern des Nationalsozialismus umgegangen ist und Helen Mirren scheint wie gemacht für die Rolle dieser kämpferischen Frau mit dem trockenen Humor. Gerade deshalb ist es so schade, dass man aus dieser Geschichte nicht mehr gemacht hat. Mirren und Reynolds, als anfangs nervöser, etwas blasser Anwalt, sind ein wunderbares Duo. Sie bringen eine Leichtigkeit, die man bei dem Thema des Filmes nicht erwarten würde. Auch die Entwicklung Randy Schönbergs ist sehr gut aufgebaut. Geht es ihm anfangs hauptsächlich ums Geld, wird die Angelegenheit persönlich für ihn, da er sich im Zuge des Wien-Besuchs immer mehr mit seiner eigenen Familiengeschichte auseinander setzt. Was stört ist der Fokus des Films. Altmann erinnert sich in zahlreichen Rückblenden an ihr Leben als junge Frau in Wien. Obwohl diese Sequenzen aufschlussreich und sehr schön gestaltet sind, bis auf die Schlussszene die zu pathetisch geraten ist, hätte man einige von ihnen einsparen und stattdessen etwas mehr von der Atmosphäre in Österreich abseits der Politik einfangen können. Die Vertreter aus Establishment und Politik, allen voran die damalige Ministerin Elisabeth Gehrer werden zu Recht als ignorant und überheblich gezeigt, während Hubertus Czernin, der damalige profil-Herausgeber den positiven Gegenpol darstellt. Beim Versuch den Film leichtfüßiger zu machen, verlieren aber leider sowohl die Figuren als auch die Geschichte an Facettenreichtum. Man hätte ein differenzierteres Bild der Vorgänge erhalten, wäre der Blick auch auf die rege Medienberichterstattung zu dieser Zeit, die das Bild das man in Österreich von Altmann hatte stark geprägt hat und den bockigen Widerstand eines Landes gerichtet gewesen, dass sich viel zu lange nicht aus der Opfer-Rolle begeben wollte.

Diese Rezension ist auch in der Juni-Ausgabe des ray Filmmagazin erschienen.

CREDITS

Originaltitel Woman in Gold

Land USA/Großbritannien

Filmlänge 109 Minuten    

Jahr 2015    

Kinostart AUT 04. Juni 2015    

Genre Drama     

Regie Simon Curtis

Drehbuch Alexi Kaye Campbell, nach der Lebensgeschichte von E. Randol Schoenberg und Maria Altmann

Musik Martin Phipps, Hans Zimmer

Kamera Ross Emery

Ton Ian Wilson, Jack Leary, u.a.

Schnitt Peter Lambert

Produktion Origin Pictures, BBC Films

Verleih AUT Constantin Film

DarstellerInnen Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Max Irons, Antje Trauer, u.a.

Drehorte Wien/Österreich, Beverly Hills, Los Angeles, Fernando Valley, Culver City und Encino/USA, Shoreham-by-Sea und London/Großbritannien

Header: Filmstill „Die Frau in Gold“ © http://i.ytimg.com/vi/nPBSiPGUTZQ/maxresdefault.jpg

2 Gedanken zu “Die Frau in Gold

  1. Du bist doch Österreicherin, oder? Gehörst du zu den lieben oder zu den bösen? Zumindest erweckt der Film den Eindruck, dass es in Österreich nur schwarz und weiß gibt. 🙂
    Und scheinbar gibt es keine guten Schauspieler in Österreich, wenn man für den Film so viele deutsche Darsteller engagieren muss. Das fand ich ein wenig schade.
    Meine Kritik zum Film findest du übrigens hier:
    https://magofilmtipps.wordpress.com/2015/05/31/filmkritik-die-frau-in-gold/

    Gefällt mir

  2. Kann dir nur recht geben…der Film bleibt zu flach und genügend gute österreichische Schauspieler hätte es auch gegeben…irgendwie absurd, dass ein Film bei dem es unter anderem um Österreichs Opferrolle geht das Klischee verstärkt, alle hohen Tiere im Naziregime wären Deutsche gewesen…tja bei diesem Film wurde wohl eine Chance verpasst…

    Gefällt 1 Person

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