Love & Mercy

Als Beach Boys-Fan seit frühester Kindheit, war ich schon sehr gespannt auf Bill Pohlads Film Love & Mercy. Er erzählt darin die Geschichte von Mastermind Brian Wilson. Er war das Sound-Genie hinter der vielfältigen Musik der Beach Boys. Der Film zeigt den Beginn der Band, als Wilson sich zum schreiben und erschaffen zurück zog und auf Touren durch einen Ersatz vertreten wurde. Er ist ein zerbrechlicher, introvertierter junger Mann, wie seine beiden Brüder, ebenfalls Bandmitglieder, gebrochen durch unzählige Schläge des Vaters. Im Laufe ihrer Leben fand jeder der Brüder seinen Weg, um mit dem Missbrauch fertig zu werden. Für den sensiblen Brian, wird es zu einem Drahtseilakt zwischen Abscheu gegenüber seinem Vater und dem Wunsch, von diesem Anerkennung zu erfahren. Am Höhepunkt seiner Kräfte ist er stets im Aufnahmestudio, wo er in liebens- und bewundernswerter Weise Klangwelten und Harmonien schafft, wie man sie selten zuvor gehört hat. Love & Mercy zeigt aber nicht nur die jungen Jahre des Brian Wilson, sondern wechselt immer wieder zu einer seiner dunkelsten Zeiten in den 1980er Jahren. Bei einem Autokauf, lernt er Melinda Ledbetter kennen. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen und sehen sich immer öfter, doch immer in Begleitung eines Schwarms von Securities und Betreuern. Er wird vom Psychiater Eugene Landy rund um die Uhr bewacht, bei dem sich schnell zeigt, dass er weniger die Therapie von Wilson, sondern seine Enteignung im Auge hat.

Pohlad schafft mit seinem Film eine gelungene Mischung aus Band- und Einzel-Biographie, Liebesgeschichte und der Darstellung seiner Geisteskrankheit. Letzteres wird geschaffen durch die faszinierende Sound-Collage von Atticus Ross. Brian Wilson leidet nicht an paranoider Schizophrenie, wie ihm von Eugene Landy fälschlicherweise attestiert wurde, sondern an auditorischen Halluzinationen. Dies äußert sich im Hören von objektiv nicht vorhandenen Geräuschen, Wispern und Zischen. Ross schafft es den oft magischen Aufbau der Beach Boys-Songs auf die Klangbilder in Brian Wilsons Kopf zurück zu leiten und gibt dem Zuschauer einen plastischen Eindrück davon, wie sich diese Bilder anfühlen. Getragen wird der Film vor allem von dem großartigen Spiel der Hauptdarsteller John Cusack, Paul Dano, Elizabeth Banks und Paul Giamatti. Dano als junge und Cusack als ältere Ausgabe von Brian Wilson, zeigen diesen liebenswerten, sensiblen und herausfordernden Charakter mit sehr viel Feingefühl und Facettenreichtum.

Der Film ist faszinierend, fesselnd und berührend und nicht nur Beach Boys-Fans sehr zu empfehlen.

CREDITS

Originaltitel Love & Mercy

Land USA

Filmlänge 121 Minuten    

Jahr 2015     

Kinostart AUT 12. Juni 2015    

Genre Drama/Biographie

Regie Bill Pohlad

Drehbuch Oren Moverman und Michael Alan Lerner, basierend auf dem Leben von Brian Wilson

Musik Atticus Ross und The Beach Boys

Kamera Robert D. Yeoman

Ton Eugene Gearty, Edward Tise, u.a.

Schnitt Dino Jonsäter

Produktion River Road Entertainment, Battle Mountain Films

Verleih AUT Constantin Film

DarstellerInnen John Cusack, Paul Dano, Elizabeth Banks, Paul Giamatti, Jake Abel, Kenny Wormald, Joanna Going, u.a.

Drehorte EastWest Studios, Torrance, Point Dume, Griffith Observatory, Ocean Way Recording, Santa Clarita, u.a. Kalifornien, USA

Header: Love & Mercy Filmstill © http://tinyurl.com/p3culq9

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