KINOJUWELEN: Tennessee Theatre (USA)

1917 kaufte der Unternehmer Clay Brown Atkin das Knoxville Banking & Trust Building und ein weiteres Gebäude in der Gay Street, in Knoxville, Tennessee. Ersteres Bauwerk nannte er zu Ehren seiner geliebten Ehefrau in Burwell Building um und verkündete 1920, dass er das zweite erworbene Haus zu einem großen, modernen Theater umbauen wolle. Erst sieben Jahre später im November 1927 beginnen die Bauarbeiten am Tennessee Theatre, unter der Leitung des Architekten-Duos Graven und Mayger aus Chicago. Am 01.Oktober 1928 wird das Filmtheater schließlich mit dem Clara Bow-Film The Fleet´s In eröffnet, ein Film der durch die schlechte Konservierung früher Filme leider heute nicht mehr existiert. Rund 10 000 Gäste wohnen der großen Party bei, bei der es neben der Filmvorführung ein Konzert von Don Pedro and His Melody Boys gibt und eine Vorführung der beeindruckenden Wurlitzer-Orgel durch Jean Wilson. Im darauffolgenden Jahr wird der erste Film der Marx Brothers The Cocoanuts gezeigt. Zu diesem und vielen weiteren Filmen bis 1932 gestaltete der hauseigene Künstler Joe Parrott verlockende Aufsteller und Anzeigen, die potentielle Kinogänger ins Haus locken sollten.

Displays von Joe Parrott vor dem Eingang des Tennessee Theatre  © McClung Historical Collection

Displays von Joe Parrott vor dem Eingang des Tennessee Theatre © McClung Historical Collection

Das Tennessee Theatre wird auch lange vor der Zeit der Fernsehübertragungen der Ort an dem sich Zuschauer Ausschnitte aus Football-Spielen ansehen können, die vor den Filmen gezeigt werden. Western-Star Tom Mix und sein Pferd Tony, die berühmten Ziegfeld Follies oder die Theateraufführung Mary of Scotland locken zahlreiche Besucher an und im Jahr 1936 dürfen zwei der treuen Kino- und Theatergänger in Tennessee Theatre sogar heiraten, nachdem sie ein Preisausschreiben gewonnen haben. Ab 1937 gibt es den Popeye-Club, der jeden Samstag Unterhaltung für die kleinen Gäste bietet. Jedes Mitglied bekommt dabei eine personalisierte Karte und erhält Eintritt zu Unterhaltungsshows, Cartoons und Kurzfilmen und darf bei Gewinnspielen mitmachen und zu gegebenem Anlass eine Geburtstagstorte absahnen.

Mitgliedskarte des Popeye Clubs © McClung Historical Collection

Mitgliedskarte des Popeye Clubs © McClung Historical Collection

Nachdem das Verbot von Unterhaltungsshows an Sonntagen aufgehoben wird, darf ab 1947 auch am Tag des Herrn ins Kino gegangen werden. Eingeläutet wird diese neue Ära mit der Errol Flynn Romanze Never Say GoodbyeEine weitere Neuerung gibt es 1953 durch die Einführung von Cinemascope, die im Tennessee Theatre mit der Vorführung des Kostüm- und Sandalenfilms The Robe gefeiert wird.

Seit seiner Eröffnung 1928 war das Tennessee Theatre nur für Weiße zugänglich. 1963 protestierten Studenten des Knoxville College vor den Toren des Kinos für Gleichberechtigung und gegen Rassismus. Nach Monaten des friedlichen Protestes lenkte das Kino zugunsten der Bewegung ein. Passenderweise an jenem Tag als der Film To Kill A Mockingbird gezeigt wurde.

Protest vor dem Tennessee Theatre © Knoxville News Sentinel

Protest vor dem Tennessee Theatre © Knoxville News Sentinel

1966 wird das Theater renoviert um es an die modernen Kinos anzupassen. Es bekommt neue Teppichböden, einen vergrößerten Ticketstand, dekorative Spiegel und einen neuen Anstrich. Neue, größere Sitze werden installiert und verkleinern das Fassungsvermögen auf 1545 Personen. Ab 1960 gibt es den Chip Munk Club der Kindern über den Sommer die Zeit vertreibt und sie mit Bobo dem Clown unterhält.

Die Konkurrenz durch neue kleine Kinos und die Kosten für die Erhaltung des großen Kinosaals treiben das Kino in den 70ern immer mehr in Geldprobleme, bis es im November 1977 schließen muss. Eine Gruppe mit dem Namen „Tennessee Theatre Classics“ setzt sich für die Erhaltung des Gebäudes und die Wiedereröffnung ein. Man zeigt Klassiker aus den 30er und 40er Jahren, doch der Erfolg ist nur von kurzer Dauer und man muss bereits im Oktober 1978 wieder schließen.

1979 leasen Ralph und sein Sohn Robert Frost das Theater, um dort Filme und Live-Performances zu zeigen. Billy Snyder, Professor an der University of Tennessee bietet seine Dienste als Hobby-Musiker gratis an und begleitet frühe Filme auf der Wurlitzer-Orgel. Der Philanthrop James A. Dick kaufte das Theater und das Burwell Building von der Familie Atkin und führt 1981 weitere Renovierungen durch. Die elektrische Anlage wird erneuert, die Sitze mit neuer Polsterung ausgestattet, es gibt neue Teppiche und Vorhänge und auch bei Beleuchtung und Sound werden Neuerungen durchgeführt. In den frühen 80ern präsentiert die Knoxville Opera mehrere Stücke im Tennessee Theatre und macht es in weiterer Folge zu seiner Heimat.

Vor allem mit Live-Auftritten und Konzerten konnte sich das Theater über die Jahre wieder etablieren und zu alter Größe finden. Im Jahr 2000 wurde die Wurlitzer-Orgel entfernt und für Restaurationsarbeiten nach Reno, Nevada transportiert. Ein anonymer Spender finanziert die Instandsetzung der Orgel-Rarität. Als die Wurlitzer wieder ins Theater zurück kommt, wird eine Kampagne ins Leben gerufen um die umfassende Renovierung des Tennessee Theatres zu finanzieren. Zwischen Juni 2003 und Januar 2005 bleibt das Theater geschlossen und wird wieder zu altem Glanz gebracht. Am 14.Januar 2005 wird das prunkvolle Theater mit einer Gala und einer großen Show wieder eröffnet. Bei einem Tag der offenen Tür besuchen an die 5000 Gäste das geliebte Tennessee Theatre. Seitdem gab es zahlreiche Broadway- und Comedy-Shows sowie Konzerte von Tony Bennett oder Diana Ross. Das Theater hat also wieder zum Erfolg alter Tage zurück gefunden.

Lobby des Tennessee Theatres mit den berühmten Kristalllustern © http://media-cdn.tripadvisor.com/media/photo-s/07/1e/bd/11/tennessee-theatre.jpg

Lobby des Tennessee Theatres mit den berühmten Kristalllustern © http://media-cdn.tripadvisor.com/media/photo-s/07/1e/bd/11/tennessee-theatre.jpg

Foyer des Tennessee Theatre © www.flickr.com

Foyer des Tennessee Theatre © http://www.flickr.com

Blick auf die Bühne des Tennessee Theatre © http://www.tennesseetheatre.com/discover/

Blick auf die Bühne des Tennessee Theatre © http://www.tennesseetheatre.com/discover/

Tennessee Theatre Homepage

Tennessee Theatre Facebook

Header: Kinosaal des Tennessee Theatre © http://tinyurl.com/nnejnah

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