Am grünen Rand der Welt

Bathsheba Everdene ist eine junge Frau, die in ihrer Stärke und Unabhängigkeit ihrer Zeit voraus ist. Um sich diese Charaktereigenschaften zu bewahren, lehnt sie den Heiratsantrag des Schäfers Gabriel Oak ab. Doch die Wege der beiden kreuzen sich wieder. Nachdem er einen tragischen Verlust erleidet, ist Gabriel gezwungen als Farmhelfer Arbeit zu suchen. Dabei löscht er einen Brand auf Bathshebas Farm, welche sie mittlerweile von ihrem verstorbenen Onkel geerbt hat. Gabriel beginnt für Bathsheba zu arbeiten, ohne dass einer seiner Kollegen weiß, dass er und seine Herrin eine gemeinsame Vergangenheit haben. Bald macht ihr der gut betuchte William Boldwood Avancen, die sie respektvoll aber bestimmt zurückweist. Doch der emotionalen Verwirrungen nicht genug, tritt auch noch der junge Soldat Frank Troy in Bathshebas Leben, der sie mit seiner wilden Leidenschaft um den Verstand bringt. Das scheint die Erklärung dafür zu sein, warum sie sich entscheidet ausgerechnet ihn zu heiraten, eine unreifen, selbstmitleidigen Trinker und Spieler. Bald schon bemerkt sie, dass sie einen Fehler begangen hat, der dramatische Folgen nach sich zieht.

„Am grünen Rand der Welt“ ist die Verfilmung des bekannten Buches von Thomas Hardy. Regisseur Thomas Vinterberg wagt sich an seinen ersten Kostümfilm und schafft es, nicht in kitschigen Landschaften und aufwendigen Kleidern zu versinken. Ganz im Gegenteil, der Film bleibt nah an der Vorlage und greift einprägsame Szenen, die viel über die Charaktere aussagen auf. Nicht nur die hervorragende Wahl der SchauspielerInnen, allen voran Carey Mulligan in der Rolle der Bathsheba Everdene und Matthias Schoenaerts als würdevoller, stiller Wächter über Bathshebas Glück Gabriel Oak stützt diese starke Liebesgeschichte, sondern auch die Chemie der Hauptfiguren untereinander und die klare Inszenierung. Es entsteht keine in Watte getauchte Atmosphäre, wie das bei viktorianischen Geschichten manchmal der Fall ist. Die Figuren und das Ambiente sind frisch, facettenreich, aber auch unbändig und rau. Obwohl der Film Nebenhandlungen und manche Tiefe der Charaktere einsparen musste, hat er die wesentlichen Themen erfasst. Es geht um die Unabhängigkeit einer Frau, in einer Zeit, in der das weibliche Leben von den Wünschen des Mannes und strengen Konventionen bestimmt war. Als man nicht aus Liebe heiratete, sondern aus finanziellen und gesellschaftlichen Vorteilen. Die Hauptfigur ist hin und her gerissen zwischen Leidenschaft, Konvention und Beständigkeit. Und neben all dem Subtext ist da auch noch die stille und schöne Liebe zweier Menschen, die am Ende nach einer Reihe von tragischen Ereignissen zueinander finden…ohne Kitsch und Pomp inszeniert, sondern sehr klar und zart und deshalb umso schöner anzusehen.

All jenen, denen die ebenfalls wunderschöne Verfilmung von Stolz und Vorurteil vor ein paar Jahren gefallen hat und Fans von tief gehenden Liebesgeschichten, die nicht nur an der rosaroten Oberfläche kratzen, ist diese Literaturverfilmung sehr zu empfehlen.

CREDITS

Originaltitel Far from the Madding Crowd

Land Großbritannien/USA

Filmlänge 119 Minuten    

Jahr 2015    

Kinostart AUT 17. Juli 2015    

Genre Drama

Regie Thomas Vinterberg

Drehbuch David Nicholls, nach einem Roman von Thomas Hardy

Musik Craig Armstrong

Kamera Charlotte Bruus Christensen

Ton Glenn Freemantle, Dillon Bennett, Ben Barker, u.a.

Schnitt Claire Simpson

Produktion Verleih AUT abc-films

DarstellerInnen Carey Mulligan, Matthias Schoenaerts, Martin Sheen, Tom Sturridge, Juno Temple, Jessica Barden, Bradley Hall, u.a.

Drehorte  Claydon House, Middle Claydon, Buckinghamshire, Großbritannien/Mapperton, Dorset, Großbritannien/Sherborne, Dorset, Großbritannien, u.a.

Header: Filmstill Am grünen Rand der Welt © http://tinyurl.com/pbnnzxt

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