FASHION & FILM: Edith Head (1897 – 1981)

Die Kostümbildnerin Edith Head wurde als Edith Claire Posener am 28.Oktober 1897 in San Bernardino, Kalifornien geboren. Ihr Vater Max Posener (geb. 1858) war 1876 aus Deutschland in die USA eingewandert, ihre Mutter Anna E. Levy wurde 1875 in St. Louis, Missouri geboren und war die Tochter eines österreichischen Vaters und einer bayrischen Mutter. Die beiden heirateten 1895 und Ediths Vater eröffnete kurz vor ihrer Geburt einen Kurzwarenladen, den er jedoch bereits ein Jahr später wieder schließen musste. Die Ehe von Ediths Eltern hielt nur ein paar Jahre. 1905 heiratete ihre Mutter den Bergbauingenieur Frank Spare, der ständig wechselnde Jobs hatte, weshalb die Familie oft umzog. Edith wurde von ihrem Stiefvater anerkannt als wäre sie sein leibliches Kind und da er gläubiger Katholik war, wurde sie ebenfalls in diesem Glauben erzogen.

Die intelligente und ambitionierte Edith Head studierte in Berkeley wo sie 1919 den Bachelor of Arts in Letters & Sciences für ihr umfassendes Studium der Geisteswissenschaften und Französisch erhielt. Für ihren Master besuchte sie eine weitere hoch angesehene Universität. An der Standford University wurde ihr 1920 der Master of Arts in Romanistik verliehen. Ihren ersten Job hatte sie als Vertretungslehrerin in der Bishop´s School in La Jolla, wechselte jedoch bereits nach einem Jahr zur Hollywood School for Girls, um dort als reguläre Lehrkraft Französisch zu unterrichten. Edith Head strebte ein höheres Gehalt an und schlug deshalb der Schulleitung vor, sie auch Kunst unterrichten zu lassen. Sie hatte jedoch nur grundlegende Kenntnisse aus ihrer Highschool-Zeit, weswegen sie Abendkurse in Zeichnen am Chouinard Art College besuchte.

Dort lernte sie Charles Head kennen, den Bruder ihrer Klassenkollegin Betty Head. Die beiden heirateten am 25. Juli 1923. Die Ehe hielt jedoch nur ein paar Jahre und wurde 1936 geschieden, nachdem die beiden bereits einige Zeit getrennt gelebt hatten. Da sie ihre Karriere als Kostümbildnerin jedoch während ihrer Ehezeit begann, behielt sie den Namen Edith Head als Künstlernamen bis zu ihrem Tode bei.

Obwohl sie keinerlei Erfahrung in den Bereichen Kunst oder Kostümdesign hatte, bekam sie 1924 einen Job als Kostümzeichnerin bei Paramount Pictures, wobei sie bei ihrem Vorstellungsgespräch ein wenig schwindelte und Skizzen von Mitschülern aus ihrem Zeichenkurs als ihre ausgab. Trotz dieses Tricks konnte sie ihr Können jedoch bald unter Beweis stellen. Sie gestaltete Kostüme für Stummfilme, der erste war The Wanderer (1925) und wurde in kurzer Zeit zu einer der führenden Kostümdesignerinnen Hollywoods. Wie es jedoch zu dieser Zeit üblich war, war sie zwar seit den 1920ern ein Aushängeschild des Studios, die Head Artists im Kostümbereich waren jedoch Männer. Zuerst stand sie im Schatten von Howard Greer, dann von Travis Banton. Head war maßgeblich an dem internen Zusammenschluss gegen Banton beteiligt und wurde nach seiner Kündigung 1938 eine hochprofilierte und eigenständige Designerin.

Im September 1940 ehelichte sie den Set-Designer Wiard Ihnen, mit dem sie bis zu dessen Tod 1979 verheiratet war. Ab den späten 30er und in den 40er-Jahren begann ihr Siegeszug als Kostümbildnerin. Besondere Beachtung seitens der Öffentlichkeit erhielt sie 1938 für ihren Entwurf eines Sarong- Kleides für Dorothy Lamour in His Jungle Love der nun immer mit ihr verbunden wurde, obwohl sie in ihren Entwürfen ansonsten eher zurückhaltend war.

Dorothy Lamour und ihr tierischer Filmpartner in

Dorothy Lamour und ihr tierischer Filmpartner in „The Jungle Princess“ © http://i0.wp.com/roxyvintagestyle.com/wp-content/uploads/2013/08/dorothy-lamour-and-gogo-the-chimp.jpg

Für Diskussionsstoff sorgte auch die mit Nerz besetzte Robe von Ginger Rogers in The Lady in the Dark (1944), Das in den schwierigen Kriegszeiten, in der die Zeichen auf Verzicht standen ein so kostbares Kostüm kreiert wurde, war manchen ein Dorn im Auge.

Eine weitere Entwicklung der späten 40er-Jahre tat Edith Head einen großen Dienst und steigerte ihre Bekanntheit: 1949 wurde die Kategorie „Best Costume Design“ bei den Academy Awards eingeführt. Im Laufe ihrer langen Karriere war sie beeindruckende 35 Mal für einen Oscar nominiert und durfte die Trophäe 8 Mal mit nach Hause nehmen. Eine genaue Auflistung ihrer Nominierungen und Gewinne findet ihr weiter unten.

Wenn es um Heads Stil geht, war sie bekannt für ihre maßvollen Entwürfe, die weit entfernt waren von den oft übertriebenen Designs ihrer Kollegen (vor allem ab der Einführung des Farbfilms). Zudem stand sie stets in engem Dialog mit den Schauspielerinnen für die sie die Kostüme entwarf, weshalb sie bei den Damen sehr beliebt war. Zu ihren „Kundinnen“ gehörten im Laufe der 40er und 50er unter anderem Ginger Rogers, Barbara Stanwyck, Shirley MacLaine, Bette Davis, Grace Kelly, Audrey Hepburn und Elizabeth Taylor. Sie war so gefragt, dass sie von Paramount regelmäßig an andere Studios „verliehen“ wurde. Head selbst kleidete sich sehr schlicht, trug gerne Zweiteiler und war bekannt für ihren markanten Haarschnitt und ihre dick umrandete Brille.

Ihre Popularität manifestierte sich auch in Auftritten und gefragten Eigenpublikationen. Am 03. Februar 1955 war Edith Head zu Gast in der beliebten von Groucho Marx geführten Quiz-Show You Bet Your Life und gewann zusammen mit ihrem Partner 1540 Dollar die einem wohltätigen Zweck gespendet wurden. Im Jahr 1959 veröffentlichte sie ihr erstes Buch The Dress Doctor, gefolgt von How To Dress For Success im Jahr 1967, in denen sie über ihre Karriere und ihre Design-Ansichten schrieb.

Nach 43 Jahren bei Paramount Pictures wechselte Edith Head 1967 im stolzen Alter von 70 Jahren zu Universal Pictures. Die Zeiten hatten sich geändert, man drehte nun vermehrt an Original-Schauplätzen und weniger im Studio und viele der Schauspielerinnen, mit denen Head eng zusammen gearbeitet hatte, waren nun in ihrer verdienten Künstler-Pension oder arbeiteten nur mehr sehr selten. Einige der früheren „Kundinnen“ wie z.B. Olivia De Havilland waren nun auch für das Fernsehen tätig, weshalb sich Head vermehrt auf dieses neue Medium konzentrierte. In den späten 70ern wurde Edith Head gebeten eine Uniform für die steigende Zahl weiblicher Mitglieder der United States Coast Guard zu entwerfen. Sie tat es mit Begeisterung, nannte es selbst eines der großen Highlights ihrer Karriere und erhielt für ihre Arbeit den Meritorious Public Service Award.

Auch für ihre Entwürfe für die TV Mini-Serie Little Women erhielt sie großes Lob. Ihren letzten Oscar gewann sie 1974 für den Film The Sting, war jedoch danach noch zwei weitere Male nominiert. Ihre letzte Arbeit war für den Film Dead Men Don´t Wear Plaid (1982) mit Steve Martin und Carl Reiner in den Hauptrollen, für den alte Filmszenen aus den 40er Jahren mit neu gedrehten verbunden wurden. Durch ihre große Erfahrung mit der Mode dieses Jahrzehnts war sie die perfekte Besetzung, um die Hauptdarsteller passend einzukleiden.

Der Film kam erst nach ihrem Tod in die Kinos und stand im Gedenken an ihr glanzvolles Leben. Edith Head starb am 24. Oktober 1981, ein paar Tage vor ihrem 84. Geburtstag an einer unheilbaren Knochenmarkserkrankung.

Head lebt nicht nur in den von ihr designten Kostümen weiter, sondern hatte auch, ähnlich wie Alfred Hitchcock, mit dem sie mehrmals zusammen arbeitete, einige Auftritte bei denen sie quasi sich selbst spielte. In Lucy Gallant (1955) tritt sie als Showmasterin einer Modenschau auf, in The Pleasures of His Company (1961) präsentiert sie Debbie Reynolds Filmfigur Kleider für deren bevorstehende Hochzeit und in The Oscar (1966) ist sie in drei Szenen ohne Text als Kostümdesignerin zu sehen. Zudem hatte sie in der Columbo-Folge Requiem for a Falling Star (1973) einen kurzen Auftritt als Designerin für Anne Baxters Figur. Im Hintergrund sieht man ihre Oscars auf ihrem Arbeitstisch stehen.

Edith Head in der Columbo-Folge

Edith Head in der Columbo-Folge „Requiem for a Falling Star“ © https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/736x/50/95/13/5095130e092fc3e6e9d4b4046fdb0186.jpg

Wie beliebt und bekannt Edith Head war und ist, sieht man auch an den vielen Tributen die ihr in allen möglichen Formen nach ihrem Tod gezollt wurden. Sie ist Teil des Songtitels „(She Thinks She´s) Edith Head“ der Band They Might Be Giants, ist Teil einer US-amerikanischen Briefmarken-Serie, die die Menschen hinter der Filmkamera ehren soll und wurde anlässlich ihres 116. Geburtstages als Google Doodle verewigt.

Basierend auf dem Buch Edith Head´s Hollywood das von Edith Head und Paddy Calistro geschrieben worden war, entstand das Theaterstück A Conversation with Edith Head das im Januar 2014 am Buddies in Bad Times Theatre in Toronto, Kanada Premiere feierte. Das Stück wurde von Paddy Calistro und Susan Claassen geschrieben und erhielt überschwängliche Kritiken. Claassen war in der Hauptrolle zu sehen, präsentierte ein Kleid das angeblich für Grace Kelly entworfen worden war, zahlreiche Entwürfe von Head und stand nach dem 90-minütigen Stück in ihrer Rolle als Edith Head einem improvisierten Meet & Greet mit interessierten Zuschauern zur Verfügung.

Susan Claassen als Edith Head in

Susan Claassen als Edith Head in „A Conversation with Edith Head“ © http://fo4mw16y1z42edr6j2m4n6vt.wpengine.netdna-cdn.com/wp-content/uploads/eh-560-51.jpg

In der Ausstellung Designing Woman: Edith Head at Paramount 1924 – 1967 wurde ihre gesamte Paramount-Kostümkollektion 2014 für 1 ½ Monate im Decorative Arts Center of Ohio gezeigt.

Und wer sich bei Fotos von Edith Head an Edna Mode auf dem Pixar-Film The Incredibles erinnert fühlt, hat ins Schwarze getroffen. Laut dem Regisseur Brad Bird, der auch für die Synchronisation der Figur zuständig war, basiert Edna Mode hauptsächlich auf der großen Edith Head.

Edna Mode aus dem Pixar-Film

Edna Mode aus dem Pixar-Film „The Incredibles“ © http://a.dilcdn.com/bl/wp-content/uploads/sites/2/2013/08/Helen_profile.jpg

Head war eine ambivalente Persönlichkeit. So gewann sie den Kostüm-Oscar für den Film Sabrina, obwohl die Kostüme eigentlich vom jungen Modedesigner Hubert de Givenchy stammten und ihr wurde unterstellt, dass sie sich gelegentlich mit Entwürfen brüstete die von ihren Schülern stammten. Auf der anderen Seite finden sich in der Filmdatenbank IMDb bei Edith Head im Bereich „Costume Designer“ unglaubliche 447 Einträge und bei „Costume and Wardrobe Department“ weitere 80. Es wird angenommen, dass sie beinahe 1000 Filme mit ihren Kostümentwürfen versorgte, doch selbst wenn es „nur“ rund 500 sind, ist das eine beeindruckende Zahl. Daran sieht man, wie maßgeblich Edith Heads Beitrag gleichermaßen zur Film- und zur Modewelt ist, auch wenn ihr ihr Erfolg manchmal zu Kopf gestiegen sein mag. In einer Zeit, in der es für Frauen nicht selbstverständlich war so erfolgreich zu sein, schaffte es Head mit viel Arbeitswut und Ambitionen an die Spitze. Darum sei diese Biographie mit einem motivierenden Zitat von Head geschlossen:

Oscar-Nominierungen und –Gewinne von Edith Head

Anmerkung: Bis 1967 wurden die Filme in zwei Kategorien unterteilt: „Schwarz-Weiß-Film“ und „Farbfilm“

  • 1949 – Color – The Emperor Waltz
  • 1950 – Black and White – The Heiress– gewonnen
  • 1951 – Color – Samson and Delilah– gewonnen
  • 1951 – Black and White – All About Eve– gewonnen
  • 1952 – Black and White – A Place in the Sun– gewonnen
  • 1953 – Color – The Greatest Show on Earth
  • 1953 – Black and White – Carrie
  • 1954 – Black and White – Roman Holiday– gewonnen
  • 1955 – Black and White – Sabrina– gewonnen
  • 1956 – Color – To Catch a Thief
  • 1956 – Black and White – The Rose Tattoo
  • 1957 – Color – The Ten Commandments
  • 1957 – Black and White – The Proud and Profane
  • 1958 – Best Costume Design – Funny Face
  • 1959 – Best Costume Design, Black and White or Color – The Buccaneer
  • 1960 – Color – The Five Pennies
  • 1960 – Black and White – Career
  • 1961 – Color – Pepe
  • 1961 – Black and White – The Facts of Life– gewonnen
  • 1962 – Color – Pocketful of Miracles
  • 1963 – Color – My Geisha
  • 1963 – Black and White – The Man Who Shot Liberty Valance
  • 1964 – Color – A New Kind of Love
  • 1964 – Black and White – Wives and Lovers
  • 1964 – Black and White – Love with the Proper Stranger
  • 1965 – Color – What a Way to Go!
  • 1965 – Black and White – A House Is Not a Home
  • 1966 – Color – Inside Daisy Clover
  • 1966 – Black and White – The Slender Thread
  • 1967 – Color – The Oscar
  • 1970 – Sweet Charity
  • 1971 – Airport
  • 1974 – The Sting– gewonnen
  • 1976 – The Man Who Would Be King
  • 1978 – Airport ’77

Header: Edith Head bei der Arbeit © http://wallpapersoul.com/edith-heads-work-wallpaper.html

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s