KINOJUWELEN: Cinematograph (AUT)

Dieses zauberhafte „Kino wie damals“ befindet sich auf der Oberen Donaulände 51 in Linz und ist ein kleines Unikat. Betrieben wird das Kino seit 1992 vom Besitzer Georg Kügler, der hier seiner großen Leidenschaft für die Filmgeschichte ein Zuhause gibt.

Das Gemäuer, in dem das Filmtheater untergebracht ist, hat jedoch eine viel längere Geschichte. Es wurde um 1600 als Siechenhaus, also als Hospital für an Seuchen erkrankte Patienten errichtet, und stand in engem Zusammenhang mit dem nahe gelegenen Stift Wilhering. Jedermann zugänglich war das Gebäude später, als es zu einem Baderhaus, also einer öffentlichen Badeanstalt umfunktioniert wurde. Das Haus gewann weiter an ökonomischen und sozialen Wert für Linz, als es als Zahlmeisterei der Donauschifffahrt diente. Es ist neben dem Salzamt eines der letzten erhaltenen Gebäude der Barockzeit und steht seit 2006 unter Denkmalschutz. Eigentümer Kügler versucht das Gebäude nicht nur im Inneren möglichst authentisch zu erhalten, sondern auch äußerlich. So ließ er z.B. das Dach im Jahr 2009 anstatt mit Ziegeln oder anderem Material mit Holzschindeln neu decken.

Das Cinematograph Kino besteht aus einem kleinen Kinoraum, in dem 35 Originalstühle aus dem Jahr 1912 aufgestellt sind, die früher im Gasthof zur Traube in St. Florian den Gästen Platz boten. In jenem Gasthaus wurden zudem zwischen 1912 und den 1930er Jahren Stummfilme gezeigt, was die Stühle noch passender macht. Gezeigt werden in dem charmanten Kino Filmproduktionen, die zwischen 1895 und 1950 entstanden sind. Neben der kleinen Filmleinwand und einer alten Registrierkasse befindet sich auch ein Pianino im Vorführraum, auf dem gezeigte Stummfilme mit Live-Musik begleitet werden. Unter den wachsamen Augen des Kinohundes Axel und des meist mit weißem Hemd und schwarzer Fliege gekleideten Hausherrn Kügler, werden im klassischen Überblendbetrieb auf zwei Phillips-Projektoren des Typs FP 6, Baujahr 1947 alte Filme gezeigt, zu denen es im Vorfeld immer eine einführende Erklärung von Herrn Kügler gibt, der von der Entstehung des Filmes, den Schauspielerinnen und Schauspielern erzählt und andere interessante Infos preisgibt. Neben seinem beeindruckenden Filmarchiv, verfügt er auch über eine Sammlung von alten Filmbroschüren. Eine besondere Liebe hegt der Kinobesitzer und studierte Kunsthistoriker übrigens für den surrealistischen Film.

Neben dem Kino befindet sich ein Café, im klassischen Wiener Kaffeehaus-Stil. Nachdem die ehemalige Pächterin Traude Schmidhumer dieses Jahr in den wohlverdienten Ruhestand gegangen ist, führt Kügler das Café seit November wieder selbst. Neu sind in dem Kaffeehaus lediglich die Marmortische. Die Sitzbänke stammen aus Wien und die Kleiderständer, entworfen von Koloman Moser, die Bestecke, Teller und das versilberte Metallgeschirr stammen aus dem Café Landgraf (ehemals Münchnerhof) in Linz-Urfahr. Geöffnet ist das Café von Mittwoch bis Samstag ab 17h. Da es nun wieder vom Filmvorführer betrieben wird, muss es während den Vorführungen ab 19h 30 für die Dauer des Films geschlossen werden, ist aber danach wieder für einkehrende Gäste und spannende Filmdiskussionen geöffnet. Das „Kinofrühstück“, das jeden Sonntag stattfindet, verbindet das Kaffeehaus mit dem Kino. Ab 9h 30 kann man sich am reichhaltigen Frühstück laben und ab 10h 30 einen interessanten Film genießen.

Wer die Leidenschaft für Filme und die alte Kunst der Filmprojektion und -vorführung mit dem Eigentümer teilt, kann außerdem an einem Kinokurs teilnehmen. Die nächsten Starttermine des dreiwöchigen Seminars sind der 10. Februar und der 09. März 2016, die Kursgebühr beträgt 120 Euro und man erhält Informationen zu folgenden Themen: Geschichte des Kinos und seine Vorläufer / Kinorelevante Elektro-, Licht- und Tontechnik / Film und Filmbehandlung / Der Projektor – Funktion und Wartung / Überblend-Vorführtechnik mit zwei Projektoren. Weiters stellt Kügler für Künstler die Wände seines Hauses als Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Das Kino ist übrigens in den Sommermonaten geschlossen, wenn Georg Kügler seiner anderen großen Leidenschaft nachgeht und als Lokführer auf der historischen Dampflokomotive der Achenseebahn in Tirol unterwegs ist.

Projektionsraum mit den beiden alten Filmprojektoren aus 1947 © http://www.cafecinematograph.at/doc/Cinematograph-363_3.jpg

Projektionsraum mit den beiden alten Filmprojektoren aus 1947 © http://www.cafecinematograph.at/doc/Cinematograph-363_3.jpg

Eigentümer Georg Kügler an einem der alten Projektoren © http://images04.kurier.at/kino1.jpg/620x930nocrop/3.087.351

Eigentümer Georg Kügler an einem der alten Projektoren © http://images04.kurier.at/kino1.jpg/620x930nocrop/3.087.351

Büroräumlichkeiten im 1. Stock © http://www.bda.at/image/tn450x_759677282.jpg

Büroräumlichkeiten im 1. Stock © http://www.bda.at/image/tn450x_759677282.jpg

Filmdekoration und ausgestellte Bilder im Café © http://www.bda.at/image/tn450x_364794779.jpg

Filmdekoration und ausgestellte Bilder im Café © http://www.bda.at/image/tn450x_364794779.jpg

Georg Kügler in seinem Café © http://www.bda.at/image/tn450x_987429377.jpg

Georg Kügler in seinem Café © http://www.bda.at/image/tn450x_987429377.jpg

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Header: Blick auf den Kinoraum © http://www.bda.at/image/tn450x_474617910.jpg

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