Rendezvous nach Ladenschluss

Wenn man an Weihnachten und James Stewart denkt, fällt den meisten Menschen der Film Ist das Leben nicht schön ein. Ein wunderschöner Weihnachtsfilm, ein Klassiker. Mir fällt jedoch ein kleines tragikomisches, romantisches Kammerspiel von einem meiner absoluten Lieblingsregisseure ein. Die meisten kennen die Geschichte von Ernst Lubitschs Rendezvous nach Ladenschluss in der modernen Fassung. 1998 belebte Nora Ephron die Handlung mit Tom Hanks und Meg Ryan in ihrer Romantikkomödie e-m@il für dich zu neuem Leben. So sehr ich Ephrons Version mag, das Original hat für mich eine ganz eigene Magie, an die nur wenige romantische Komödien herankommen.

Ein kleiner Laden für Lederwaren und Accessoires im winterlichen Budapest. Bei Matuschek & Company arbeitet eine kleine eingeschworene Schar an Verkäufern, die über die Zeit zu einer Familie zusammen gewachsen ist. Alfred Kralik, gespielt von James Stewart, ist erster Verkäufer und hofft auf eine baldige Beförderung zum stellvertretenden Geschäftsführer. Eine junge Frau namens Klara Novak (Maragaret Sullivan) sucht bei Matuschek & Co eine Anstellung und wird zunächst sowohl von Kralik als auch von Matuschek abgewiesen, bis sie eine unverkäuflich erscheinende musikspielende Zigarrenkiste an die Frau bringt. Matuschek stellt die begabte Verkäuferin ein, doch trotz ihres Geschicks sind sich Kralik und Novak von Beginn an unsympathisch. Kralik antwortet unterdessen auf eine Zeitungsannonce und beginnt einen Briefwechsel mit einer ihm unbekannten Dame, von deren Charme und Intelligenz er seinem Arbeitskollegen und Freund Pirovitch vorschwärmt. Neben seinen Überlegungen, ob er die Brieffreundschaft weiter führen und die Unbekannte treffen soll, macht Kralik das seltsam feindliche Verhalten, das ihm Matuschek seit kurzer Zeit entgegen bringt zu schaffen. Schließlich steht das Treffen mit der unbekannten Brieffreundin vor der Tür, doch ausgerechnet an jenem Abend möchte Matuschek, dass seine Mitarbeiter länger bleiben um den Laden weihnachtlich zu dekorieren und neben Alfred wollen auch Klara und der Botenjunge Pepi früher gehen, was Matuschek zornig macht. Schließlich ruft er Alfred zu sich, doch nicht um ihn zu befördern, sondern zu entlassen. Als Alfred später niedergeschlagen von der Entlassung zum Treffen mit seiner Brieffreundin geht, muss er zu seinem Erstaunen feststellen, dass es sich bei ihr um Klara handelt und auch der Grund für Matuscheks seltsames Verhalten sowie die weiteren Vorkommnisse lassen die Situation immer verworrener werden.

Im Gegensatz zu Lubitschs früheren High-Society-Komödien ist Rendezvous nach Ladenschluss eine Geschichte der kleinen Leute. Margaret Sullavan und James Stewart haben eine zauberhafte Chemie, die sie übrigens genau wie Tom Hanks und Meg Ryan in insgesamt 3 Filmen beweisen durften. Die Schauplätze sind reduziert auf den Laden, ein Café und Klaras Zimmer, weshalb der Film den Charakter eines Kammerspiels besitzt, aber auch sehr realistisch wirkt und das bescheidene Leben der Verkäufer widerspiegelt.

Was diesen Film in meinen Augen so besonders macht ist seine feine Mischung aus Kömodie und Drama (kein Wunder, dass Lubitsch Billy Wilders großes Vorbild war). Man lacht über die Schlagabtausche zwischen Klara und Alfred und den trockenen Humor von Pirovitch, doch Rendezvous nach Ladenschluss ist auch eine Geschichte über Betrug, Einsamkeit und darüber, dass Familie nicht unbedingt immer aus Blutsverwandschaft oder Ehe entstehen muss.

Gerade zur Weihnachtszeit halten wir zwischen dem Lärm und dem Trubel gerne inne um einen Blick um uns zu werfen und dankbar zu sein für unsere Liebsten und Freunde, die zu Familie geworden sind. Rendezvous nach Ladenschluss steht für mich für diese Liebe und Besinnlichkeit und ist neben seiner weihnachtlichen Atmosphäre ein Beispiel für eine romantische Komödie die nicht in Kitsch oder Banalität abgleitet, sondern bei der einfach alles richtig gemacht wurde.

CREDITS

Originaltitel The Shop Around The Corner

Land USA

Filmlänge 99 Min

Jahr 1940    

Genre Komödie / Drama / Romanze

Regie Ernst Lubitsch

Drehbuch Samson Raphaelson, Ben Hecht, nach einem Stück von Miklós László

Musik Werner R. Heymann

Kamera William H. Daniels

Schnitt Gene Ruggiero

Kostüm

Make Up Sydney Guilaroff

Szenenbild Edwin B. Willis

Ton Douglas Shearer

Produktion Metro-Goldwyn-Mayer

DarstellerInnen Margaret Sullivan, James Stewart, Frank Morgan, Joseph Schildkraut, Felix Bressart, William Tracy, Sara Haden, u.a.

Drehorte  Metro-Goldwyn-Mayer Studios, Culver City, Kalifornien, USA

Header: James Stewart und Margaret Sullavan  in „Rendezvous nach Ladenschluss“ © http://media.web.britannica.com/eb-media/48/90748-050-36C2A574.jpg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s