KINOJUWELEN: Bio Capitol (SWE)

Wer sich über den Namen des Kinos wundert, der sei vorab informiert, das „Bio“ nicht für die umweltverträgliche Abbaubarkeit des Filmhauses steht, sondern die Abkürzung für das schwedische Wort „Biograf“ ist, was so viel heißt wie „Filmtheater“. Das Capitol-Kino liegt am Skanstorget, einem großen Platz in der Stadt Göteborg im Südwesten Schwedens. Gestaltet wurde es vom Architekten Nils Olsson und am 21. November 1941 eröffnet. Besitzer und Auftraggeber war Alfred J. Olsson, dem eine Kinogruppe gehörte. Zur Eröffnung spielte man den Film Cobra mit Dorothy Lamour.

Der Kinosaal verfügte über 458 Kinostühle aus Birkenholz, die mit rotem Samt überzogen waren, sowie gelbe Wände und Decken.  1943 wurde das Kino von einem neuen Besitzer übernommen und im Jahr 1959 renoviert, wobei das Filmtheater sein heutiges Aussehen erhielt. Es wurden quadratische Platten an den Wänden angebracht, neue Deckenleuchten installiert und die Decke im Foyer wurde abgesenkt. Nachdem das Kino im Oktober 1965 nochmals den Besitzer wechselte, hielt es in den 1970er Jahren schließlich nicht mehr der starken Konkurrenz durch das Fernsehen stand und musste 1973 geschlossen werden.

Gösta und Peter Fornstam kauften das Bio Capitol und eröffneten es unter dem Namen „New Boulevard“ im August 1973 als Pornokino wieder. Um den inspirierten Besuchern mehr Komfort zu bieten, erhöhte man den Abstand zwischen den Sitzreihen und installierte 366 neue rote Kinosessel. Lange konnte sich das Rotlichtkino jedoch nicht halten und war bereits 1988 soweit herunter gewirtschaftet, dass es schließen musste.

Ulf Berggren und Clas Gunnarsson wollten das Kino zu altem Glanz zurückführen und eröffneten es bereits im Oktober 1988 wieder unter seinem ursprünglichen Namen. 1991 fügte man einen kleinen Kinosaal mit 18 Plätzen hinzu, der allerdings nur für kurze Zeit bestand. 1997 wurde das Kino renoviert und mit Samtstühlen bestückt, ähnlich der originalen Bestuhlung. Die Cinemathek Göteborg quartierte sich im Kino ein und zeigte dort Filme und Ausstellungen. Im April 2006 wurde der reguläre Kinobetrieb eingestellt, nur die Cinemathek setzte ihr Programm fort. Zudem fungierte das Filmtheater weiterhin als Festivalkino und die Filmhochschule „Akademin Valand“ präsentierte dort die Filme der StudentInnen. Als die Cinemathek schließlich in ein anderes Gebäude umzog und das Göteborg Film Festival, wegen der ungewissen Zukunft des Bio Capitol den Vertrag kündigte, musste das Kino im Jahr 2012 erneut schließen.

Wie bei allen alten, großen Kinos hatte auch das Bio Capitol eine Schar an Fans und Stammkunden. Die ehemaligen Mitarbeiter des Filmtheaters Katarina Lorentzon, Gunnar Johansson und Mattias Mattsson schlossen sich zusammen und kauften 2013 ihren ehemaligen Arbeitsplatz. Am 01. März 2013 eröffneten sie das Capitol wieder mit dem gleichen Film der bereits bei der Eröffnung 1941 gespielt worden war. Die neuen Besitzer brachten das altehrwürdige Kino technisch auf Vordermann, behielten aber neben neuen Maschinen auch die alten 35-Millimeter-Projektoren. Es werden nun zwei Vorführungen am Tag gezeigt und man versucht vom Programm her eine Schnittstelle zwischen Kommerz- und Programmkinos zu sein. Seit dem Herbst 2013 gibt es erneut eine Zusammenarbeit mit der Cinemathek die im Herbst und Frühjahr an allen Dienstagen, Samstagen und Sonntagen ihre Filme präsentiert. Ebenfalls im Eröffnungsjahr wurde auch der kleine Kinosaal mit 18 Plätzen reaktiviert und es gibt einen Filmclub sowie jeden Sonntagnachmittag eine eigene Filmshow spezielle für Jugendliche.

Bio Capitol Homepage 

Bio Capitol Facebook 

Header: Das große Auditorium des Bio Capitol © http://www.goteborg.com/globalassets/bilder—produkter/b/bio-capitol/bio-capitol-169-1.jpg/w1200/

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