The Revenant – Der Rückkehrer

Die Golden Globes stehen vor der Türe und wieder einmal ist Leonardo DiCaprio als bester Hauptdarsteller nominiert. Selbst jemand der nur einen groben Überblick über seine bisherigen schauspielerischen Leistungen hat weiß, dass sich kaum ein anderer die höchsten Anerkennungen der US-amerikanischen Filmbranche mehr verdient hätte als DiCaprio und wenn man sich seinen aktuellen Film The Revenant ansieht, möchte man gleich einen Preis für das stärkste Durchhaltevermögen bei Dreharbeiten drauflegen.

The Revenant spielt in einer kargen, düsteren Zeit, in der sich Siedler durch unwirtliche Gegenden kämpfen um Felle zu erbeuten und dabei von Indianer-Stämmen gejagt werden, die ihren Anspruch auf ihre ehemalige Heimat und allem was darauf wandelt geltend machen wollen. DiCaprio spielt Hugh Glass, einen geübten Fährtenleser und Kundschafter, der vom Leiter der Truppe engagiert wurde, da er das Gebiet in dem man auf die Jagd geht wie seine Westentasche kennt. Mit ihm reist sein Sohn Hawk, dessen indianische Mutter bei einem Überfall getötet wurde und deren Verlust den beiden schwer auf der Seele lastet. Glass´ Kontrahent ist sein Kamerad John Fitzgerald, der nicht nur die Entscheidungen des Kundschafters in Frage stellt, sondern auch nicht sehr viel davon hält einen Indianer in der Truppe zu haben. Nach einem Überfall auf die Gruppe, verstecken die Männer die gesammelten Felle um ohne zu viel Ballast weiter zu ziehen. Als Glass ein Waldstück auskundschaftet wird er von einer Bärenmutter angegriffen, die ihre Jungen in Gefahr sieht. Blutüberströmt und halb tot finden ihn die Männer und versorgen die Wunden so gut sie es mitten in der Wildnis können. Sie versuchen ihn zum Lager zurück zu tragen, scheitern jedoch schließlich an den verschneiten Bergen. Der Truppenführer bringt es nicht übers Herz Glass den Gnadenschuss zu geben und beauftragt Hawk, Fitzgerald und den jungen Jim Bridger damit, bei Glass zu bleiben, bis dieser stirbt, ihm ein anständiges Begräbnis zu bereiten und dann zur Gruppe aufzuschließen. Fitzgerald hat Sorge, dass die herumstreifenden Indianer sie finden und töten. Als Hawk Fitzgerald beim Mordversuch an Glass erwischt, attackiert er ihn und wird von Fitzgerald erstochen. Dem jungen Bridger erzählt Fitzgerald er wisse nicht wo Hawk ist und dass er 20 Indianer am nahen Flussufer gesehen hätte und bewegt ihn so dazu Glass zum Sterben zurück zu lassen und sich auf den Weg zur Truppe zu machen. Die Trauer und Wut über den Mord an seinem Sohn lassen in Glass übermenschliche Kräfte wachsen. Trotz seiner schweren Verletzungen begibt er sich auf die Suche nach der Gruppe und Fitzgerald, an dem er sich rächen will.

Gedreht in Argentinien, den USA und Kanada unter harschen Bedingungen erzählt The Revenant eine vielschichtige Geschichte über Rache, Überlebenskampf, Spiritualität, Leben, Tod und die Territoriumskämpfe zwischen Indianern und Siedlern. DiCaprio als Glass und Tom Hardy als Fitzgerald liefern einmal mehr ein beeindruckendes Zeugnis ihres Könnens ab. Am gefährlichsten ist ein Mensch stets, wenn er nichts mehr zu verlieren hat und Glass wird aus diesem Umstand heraus ein unzerstörbares Wesen, getrieben von Rache und der unendlichen Liebe für seinen Sohn. Trotz vieler brutaler Szenen, die die lebensfeindliche Atmosphäre des Filmes unterstützen, wird der Film auf narrativer Ebene sehr ruhig und analytisch erzählt. Die Figuren sind vielfältig und genau ausgearbeitet. So sehr man von Glass´ Geschichte auch beeindruckt ist, wirken manche Szenen doch sehr unwahrscheinlich z.B. wenn er, noch immer sehr geschwächt von der Verletzungen durch den Bärenangriff von einer Klippe auf einen rund 30 Meter hohen Nadelbaum stürzt und kaum Verletzungen davon trägt und eine bestimmte Szene die ihn und ein totes Pferd beinhaltet hat man auch schon öfters gesehen. Zudem hätte dem Film, der stolze 2 ½ Stunden dauert eine leichte Kürzung an manchen Stellen ganz gut getan. Trotzdem ist der Film eine fesselnde Mischung aus Rachefeldzug und Überlebenskampf, der den Zuschauer sowohl durch seine physische als auch seine psychische Intensität gefangen nimmt.

CREDITS

Originaltitel The Revenant

Land USA

Filmlänge 156 Min

Jahr 2015    

Kinostart AUT 06. Januar 2016

Genre Drama / Abenteuer / Thriller

Regie Alejandro González Iñárritu

Drehbuch Mark L. Smith, Alejandro González Iñárritu, basierend auf einem Roman von Michael Punke

Musik Bryce Dessner, Carsten Nicolai, Ryuichi Sakamoto

Kamera Emmanuel Lubezki

Schnitt Stephen Mirrione

Kostüm Jacqueline West

Make Up Darryl Filion, Anthony Gordon, Sian Grigg, u.a.

Szenenbild Jack Fisk

Ton Lon Bender, Brian Chumney, Victor J. Hernandez, u.a.

Produktion New Regency Pictures, Anonymous Content, Appian Way, RatPac Entertainment, Soho VFX

Verleih AUT Centfox

DarstellerInnen Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Forrest Goodluck, Paul Anderson, Kristoffer Joner, u.a.

Drehorte  Ushuaia, Tierra del Fuego, Argentinien / British Columbia, Kanada / Libby, Montana, USA / Kananaskis Country, Alberta, Kanada / Mammoth Studios, Burnaby, British Columbia, Kanada / u.a.

Header: Leonardo DiCaprio als Hugh Glass © http://s2.dmcdn.net/NTY9d.jpg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s