KINOJUWELEN: The Cinema Museum (UK)

Das Cinema Museum, das zu Beginn seiner Existenz im Londoner Stadtteil Brixton und heute in Kennington zu finden ist, ist eine karitative Organisation, die 1986 von Ronald Grant und Martin Humphries gegründet wurde. Die beiden begeisterten Film-Fans sammelten fast ihr ganzes Leben lang Filme, Andenken, Plakate, Magazine, Kino-Ausstattungen und diverse andere Fundstücke der internationalen Kino- und Filmgeschichte und gestalteten daraus ein bezauberndes kleines Museum, das zugleich ein Kino ist.

Seit 1998 befindet sich das außergewöhnliche Haus am 2 Dugard Way im früheren Lambeth Workhouse. Dieses Armenhaus hat interessanterweise eine traurige Verbindung zur Filmgeschichte: hier lebte Charlie Chaplin als Kind mit seiner Mutter, als sich die beiden aufgrund großer Armut kein eigenes Dach über dem Kopf leisten konnten. Seine spätere glanzvolle Karriere ist immer wieder Thema im Cinema Museum.

Die Sammlung des Museums lässt das Herz jedes Filmgeschichte-Fans höher schlagen. Seit seinen Kindertagen sammelte Ronald Grant, der in Aberdeen aufwuchs Kinokarten, Zeitschriften und andere Filmtrophäen bis er mit 15 Jahren begann für die Aberdeen Picture Palaces als Projektions-Lehrling zu arbeiten.

In den 1960er Jahren  zog er nach London und arbeitete dort für das British Film Institute und das Brixton Ritzy Picturehouse. Ein zufälliger Besuch in seiner Heimatstadt bescherte Grant einen Hauptbestandteil seiner Sammlung: die James F. Donald Kinohäuser standen vor dem Abriss und Ronald Grant rettete den Großteil der Bestände, wie z.B. Kinosessel und Plakate.

Um ihren Sammlungen einen geschützten Raum zu bieten und sie mit anderen Interessierten zu teilen, eröffneten sie 1986 das Museum, das sie bis heute gemeinsam leiten, verwalten und nach wie vor erweitern. Inspiriert von dieser wunderbaren Idee, haben über die Jahre hinweg auch andere Filmbegeisterte dem Museum Teile ihrer privaten Sammlungen gespendet. Heute umfasst die Kollektion alle Aspekte des Kinobesuchs, von der Architektur, über die wunderschön gestalteten Aushangbilder, die Grant bereits als Jugendlicher vor den Müllcontainern rettete. Neben Filmplakaten und Broschüren, finden sich in der Sammlung auch diverse Uniformen von Kinomitarbeitern, Stühle, Teppiche, Aschenbecher und Raumdüfte aus diversen Kinos sowie insgesamt 5 Millionen Meter Film. Darunter finden sich nicht nur Spiel- und Stummfilme, sondern auch Werbungen, Trailer, Informationsfilme, Newsreportagen und B-Movies. Die kostbaren Nitrofilme, die hochentzündlich und sehr sensibel sind, werden in den modernen Lagerräumen des British Film Institute aufbewahrt. Das Cinema Museum und seine Gründer sind damit auch ein wichtiger Ort der Bewahrung und Sammlung von Filmen, die man heute kaum bis gar nicht mehr findet, wie z.B. 80 Filmen der Filmpioniere Sagar Mitchell und James Kenyon.

Die zahlreichen Projektoren, die zum Teil sehr viel Platz benötigen, werden unter anderem im Projected Picture Trust aufbewahrt. Auch die Sammlung der Filmzeitschriften kann sich sehen lassen. Es gibt z.B. alle Ausgaben des Kinematograph Weekly von 1889 bis 1971 und der The Cinema News and Property Gazette von 1912 bis zu ihrem Ende in den 1980ern. Neben Zeitschriften findet sich auch eine beachtliche Bibliothek im Cinema Museum, bestehend aus Literatur zu FilmemacherInnen, SchauspielerInnen und allem was mit Film und Kino zu tun hat.

Für alle Architektur- und Designbegeisterten bietet das Museum zudem eine Kollektion von Kinobauplänen. Wie Co-Gründer Humphries sagt, waren diese prunkvollen Filmpaläste ein wichtiger Bestandteil des Lebens vieler Menschen in den 30er bis 50er Jahren. Viele gingen zwei Mal die Woche ins Kino und fanden dort einen Luxus vor, von dem sie privat weit entfernt waren. Das Kino war also nicht nur aufgrund seiner Geschichten auf der Leinwand für viele Besucher ein Fluchtort, vor dem oft beschwerlichen Alltag.

Dass die Faszination für Kino und Film nach wie vor anhält und wo und wie diese entstanden ist kann man in diesem kleinen Kinojuwel in London bewundern. Zu besuchen ist es nur mit einer Guided Tour, für die man sich vorab per Anruf oder Mail anmelden muss. Alle genauen Infos zu Adresse, Anfahrt und Preisen findet ihr hier. Und falls ihr schon einen konkreten Termin für eine Reise nach London habt (oder dort zuhause seid), findet ihr hier den Veranstaltungskalender für das Frühjahr 2016.

RONALD GRANT AT THE CINEMA MUSEUM

Besitzer und Gründer Ronald Grant vor (und auf) seinen Schätzen © http://dulwichonview.org.uk/assets/uploads/2010/09/cinema-museum-Ronald-Grant.jpg

The Cinema Museum Homepage 

The Cinema Museum Facebook

Header: Kunstvoll drapierte Kameralinsen © https://paulmanwaringlcc.files.wordpress.com/2015/02/img_0351-5.jpg

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