Suffragette – Taten statt Worte

England, 1912: Maud Watts führt ein klassisches Arbeiterleben. Seit ihren Kindertagen arbeitet sie in einer Wäscherei, eine Arbeit von der sie weiß, dass sie ihr kein langes Leben bescheren wird, aufgrund der Chemikalien, die man Tag für Tag einatmet. Zusammen mit ihrem Mann, der auch in der Wäscherei beschäftigt ist und ihrem kleinen Sohn George bewohnt sie eine einfache Wohnung. Ihr Leben besteht hauptsächlich aus Arbeit, aber auch aus den gierigen Blicken ihres Chefs, der die Angewohnheit hat, seine jungen weiblichen Angestellten zu bedrängen und sie, wissend, dass sie ihren Job nicht verlieren wollen, zu allem Möglichen zu zwingen. Rund um Maud protestiert die Frauenbewegung der Suffragetten gegen das Patriarchat und für das Frauenwahlrecht. Anfangs distanziert sich Maud, schaut eher vom Spielfeldrand zu, da sie weiß, dass es Frauen, die für ihre Rechte kämpfen in der Gesellschaft schwer haben. Doch immer mehr holen sie die Jahre der Unterdrückung, der Belästigung durch vorgesetzte Männer und die Benachteiligung ein und sie nimmt an Aktionen der Frauenrechtlerinnen teil. Doch ihre Befürchtungen bewahrheiten sich, sie wird verhaftet und fortan von den Nachbarn und ihrem Chef argwöhnisch betrachtet und auch ihr Ehemann macht sich Sorgen um sein und ihr Ansehen und distanziert sich immer mehr von seiner Frau.

Suffragette – Taten statt Worte ist ein sehr klassisch, solide erzählter Film, doch gerade das macht den Film so eindringlich und bewegend. Es wird auf Kitsch verzichtet und obwohl einige tatsächliche Leitfiguren der Suffragetten-Bewegung im Film vorkommen wie Emmeline Pankhurst und Emily Davison, ist Maud ein fiktiver Charakter, der stellvertretend für jene Frauen stand, die sich trotz der Konsequenzen und ihrer prekären finanziellen Situation nicht von ihrem Kampf abhalten ließen. Wenn man eher überlebt als zu leben und beim Betrachten der nächsten Generation sieht, dass es ewig so weiter gehen wird, wenn man nicht den Mut fasst die Stimme zu erheben, dann gibt es eigentlich keine Entscheidung mehr zu treffen. Der Widerstand wird zu einem inneren Drang, der sich einfach nicht mehr unterdrücken lässt. Carey Mulligan zeigt wieder einmal, dass sie eine der talentiertesten Schauspielerinnen ihrer Generation ist. Maud ist keine große Vorreiterin oder eine profilierte Rednerin, sie ist eine stille Frau in der es brodelt und kocht, die langsam ihre Stimme findet, ihre Art die Ungerechtigkeit anzusprechen. Sie ist ein Charakter mit dem man mitfühlt, mitleidet und in den man sich hinein versetzen kann. Der Film schafft die richtige Mischung aus berührender Erzählung und dem Aufzeigen der geschichtlichen Ereignisse. Zu sehen, vor welchen Hürden und festgefahrenen Sitten Frauenrechtlerinnen Anfang des 20. Jahrhunderts standen, lässt den Respekt für ihren Mut noch weiter wachsen, macht einem bewusst wie weit unsere Gesellschaft in den letzten 100 Jahren gekommen ist, erinnert einen aber auch daran, dass noch Einiges vor uns liegt. In Europa, aber vor allem auch in weiten Teilen der Welt.

CREDITS

Originaltitel Suffragette

Land UK

Filmlänge 106 Min

Jahr 2015    

Kinostart AUT 05. Februar 2016

Genre Drama / Biographie / Geschichte

Regie Sarah Gavron

Drehbuch Abi Morgan

Musik Alexandre Desplat

Kamera Eduard Grau

Schnitt Barney Pilling

Kostüm Jane Petrie

Make Up Tapio Salmi, Sophie Finch, Sian Grigg, u.a.

Szenenbild Alice Normington

Ton Stephen Griffiths, Andy Shelley, Danny Hambrook, u.a.

Produktion Ruby Films, Pathé, Film 4, British Film Institute (BFI), u.a.

Verleih AUT Filmladen

DarstellerInnen Carey Mulligan, Anne-Marie Duff, Helena Bonham Carter, Ben Wishaw, Romola Garai, Brendan Gleeson, Meryl Streep, u.a.

Drehorte Harpenden, Hertfordshire, GB / Windsor, Berkshire, GB / Chatham, Kent, GB / Elstree, Hertfordshire, GB / London, GB / u.a.

Header: Carey Mulligan in „Suffragette“ © http://filmireland.net/wp-content/uploads/2015/10/87e5f126-de38-4d1a-890c-ace85c44af9f-620×372.jpg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s