KINOJUWELEN: Dome Cinema (GB)

Dieses wunderschöne Filmtheater im Edwardianischen Stil wurde am 15. April 1911 als multifunktioneller Veranstaltungsort eröffnet und hieß damals noch „The Kursaal“. In diesem Freizeitpalast konnte man zu Live-Musik Rollschuh laufen oder sich ein Theaterstück ansehen. Ein paar Monate nach der Eröffnung wurde im Oktober 1911 im ersten Stock des Gebäudes ein kleines Kino eingerichtet, in dem Stummfilme gezeigt und oftmals vom Eigentümer, dem Schweizer Carl Seebold am Klavier begleitet wurden. Seebold war 1904 von Southend nach Worthing gezogen und hatte 1906 das Grundstück gekauft, auf dem sich heute das Theater befindet. 1910 engagierte er einen Architekten Theophilus Arthur Allen für ein Honorar von 4.000 Pfund. Der deutsche Name des Theaters rührt daher, dass im deutschsprachigen Raum Veranstaltungshallen, die der Erholung und der Unterhaltung  dienten oftmals den Namen „Kursaal“ hatten und Seebold wohl eine kleine Erinnerung an seine Herkunft vor Augen haben wollte. Zum Kursaal in Worthing gehörte auch ein üppiger Garten, dem Seebold 1912 ein Sonnensegel verpasst hatte, um ihn bei jedem Wetter nutzen zu können. Der kleine Kinosaal sorgte für ein immer volles Haus und so entschloss man sich 1913 den großen Saal im Erdgeschoss ebenso als Kino zu nutzen.

Als im Juli 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach wurde alles was deutsch klang bald äußerst unbeliebt. Da Seebold um sein erfolgreiches Theater fürchtete, beschloss er eine Ausschreibung für einen neuen Namen auszugeben. Das Ergebnis war The Dome. Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs beschloss Seebold das Veranstaltungszentrum vollkommen in ein Kino umzuwandeln. Ein zweiter Rang sollte in den großen Saal eingebaut werden, der jedoch erst 1921 vom Architekten R. Kirksby fertig gestellt wurde. Zusätzlich wurden noch weitere Änderungen bzw. Erweiterungen vorgenommen: eine neue Stuckdecke wurde im Hauptauditorium installiert sowie ein mit Holz verkleidetes Foyer und ein Tickethäuschen.

Über mehrere Jahre hinweg sorgte das Dome Cinema für eine Kontroverse, da Seebold auch sonntags Filme zeigte, was gegen den christlichen Ruhetag verstieß, an dem man Unterhaltung entsagen und sich Gott zuwenden sollte. Obwohl es Proteste gab, konnte Seebold sein Theater wie gehabt weiter führen. Weitere Probleme gab es, als in den 1920er Jahren ein weiteres Kino in Worthing eröffnete. Seebold nahm die Herausforderung an und eröffnete 1924 ein weiteres Kino namens Rivoli. Zwei Jahre später gehörten ihm alle drei Filmtheater. Ab 1933/34 gab es zwei weitere Kinos, doch zu jener Zeit, bevor das Fernsehen Einzug hielt waren Kinos sehr beliebt und es fiel nicht schwer fünf Kinos mit Zuschauern zu füllen.

Trotz Ausbruch des Zweiten Weltkrieges konnte das Kino seinen Betrieb zunächst unter Auflagen weiterführen, bis es schließlich für kurze Zeit schließen musste. Weiters entging das Kino nur knapp einer Bombe, die glücklicherweise nicht detonierte. Nach dem Krieg hatte das Dome Cinema jedoch vermehrt unter der Konkurrenz zu leiden. 1949 entwickelte Seebold einen neuen Geschäftsplan und führte sowohl das Rivoli als auch das Dome Cinema bis zu seinem Tod 1951. Vier Jahre später hatte das Dome Cinema dringend eine Renovierung notwendig. Die neuen Besitzer engagierten die Architekten Goldsmith und Pennells, die eine neue Cinemascope-Leinwand installierten. Trotz des immer weiter voran drängenden Fernsehens, konnte sich das Dome Cinema halten, während das Rivoli Theatre 1960 abbrannte und das Plaza 1968 seine Türen schließen musste. Eines der verbleibenden drei Kinos wurde von den Besitzern in ein Live-Theater umgewandelt, doch das zweite Kino war moderner und größer als das Dome Cinema, weshalb es nur eine Frage Zeit war, dass das Kino schließen musste.

1969 erwarb das Worthing Borough Council das Kino im Zuge eine Umstrukturierung der Stadt, bei der einige alte Gebäude abgerissen wurden um neuen Kulturinstitutionen sowie Büros und Geschäften Platz zu machen. Nachdem ein neu errichtetes Gebäude von den Bewohnern der Stadt sehr schlecht aufgenommen wurde, setzte man mit der Neugestaltung aus und das Dome wurde, neben seinem eingeschränkten Kinobetrieb vorübergehend die Heimat von drei Firmen, die die Kinoräume als Büros nutzten. Lange war nicht klar was aus dem Filmtheater werde sollte, da das Worthing Council keine weiteren Schritte einleitete, jedoch durch schlechte Konditionen auch keine Interessenten anlocken konnte, die das Kino hätten mieten können.

Schließlich geschah 1987 etwas, was niemand so Recht erwartet hatte: das andere bestehende Kino, das Odeon schloss seine Tore und somit war das Dome Cinema wie zu Beginn seiner Existenz das einzige Kino in der Stadt. 1987 wurde zu DEM Jahr für das altehrwürdige Filmtheater, nachdem sich Regisseur David Leland entschlossen hatte, den Großteil seines viel gelobten Films Wish You Were Here mit Emily Lloyd und Tom Bell im Dome Cinema zu drehen. Aus der Sorge der Bevölkerung heraus, das Dome Cinema könnte abgerissen werden und die 100.000 Personen starke Stadt Worthing ohne Kino da stehen würde 1988 eine Kampagne zur Bewahrung des Kinos ins Leben gerufen. Um einen Abriss zu erschweren, plädierten die Bewohner dafür, dass das Gebäude in den Denkmalschutz aufgenommen wird was 1989 tatsächlich passierte. Die nächsten Jahre waren jedoch weiterhin von Streitigkeiten darüber geprägt, was mit dem Kino passieren sollte, das mittlerweile fast 80 Jahre alt war und dringend eine Sanierung nötig hatte. 1992 wurde das Kino unerwartet geschlossen, da die elektrischen Leitungen dringend erneuert werden mussten. Am 1993 wurde der Film Jurassic Park im Zuge eines Charity-Events gezeigt, um Geld für die Sanierung des Kinos sammeln. Geplant war, die ursprünglichen Dekorationen, die in den 50er Jahren entfernt worden waren neu anzubringen, doch es war klar, dass die Renovierung über 1 Million Pfund kosten würde. Die Kampagne Friends of the Dome sammelte 10.000 Pfund und es wurden einige erste Restaurationen durchgeführt, bis man einen neuen Besitzer für das Kino suchte, der in der Lage war, das erforderliche Geld aufzubringen. Unterstützung bei der Suche erhielt man von Seiten der Presse, die Werbung dafür machte, das am längsten laufende Kino Großbritanniens zu erhalten.

Die Suche zog sich hin, bis das Kino 1999 vom Worthing Dome and Regeneration Trust übernommen wurde, mit finanzieller Unterstützung des Heritage Lottery Fund. Zunächst wurden 20.000 Pfund zur Verfügung gestellt um die drängendsten Renovierungen durchführen zu können und am 17. Dezember 1999 wurde das Dome Cinema mit dem Film The Smallest Show on Earth, einer Komödie über den krisengeschüttelten Besitzer eines kleinen Kinos wieder eröffnet. Der Heritage Lottery Fund sagte weitere 1.750.000 Pfund zu unter der Bedingung, dass der Worthing Dome Trust selbst 500.000 Pfund aufbringt um zu zeigen, dass es den Bewohnern der Stadt ernst ist mit dem Wunsch das Kino zu erhalten. 2003 war das Aufstellen des Geldes schließlich geschafft, das Budget des Heritage Lottery Fund wurde frei gegeben und das Kino konnte endlich großflächig saniert werden, wobei der Betrieb aufrecht blieb. Für die größten Restaurationsarbeiten musste das Kino jedoch im Dezember 2005 geschlossen werden. Nach rund 1 ½ Jahren Arbeit wurde das Kino schließlich am 06. Juli 2007 wieder eröffnet und zeigt seitdem wieder erfolgreich aktuelle Filme. Weiters bietet das Kino zahlreiche Spezialveranstaltungen: Samstagmorgen-Filmvorführungen, Screenings für Eltern mit Babys und Vorführungen speziell für Autisten und Menschen mit Behinderungen.

DomeCinema_Auditorium04

Zuschauerraum und Details der Bestuhlung © http://www.elspethbeardarchitects.co.uk/images/wdome_3.jpg

Dome Cinema Homepage 

Dome Cinema Facebook 

Header: Blick auf Leinwand und Auditorium © https://media-cdn.tripadvisor.com/media/photo-s/06/23/13/ae/stunning-art-deco-cinema.jpg

2 Gedanken zu “KINOJUWELEN: Dome Cinema (GB)

  1. Es ist einfach schön, wenn das Kino nicht einfach nur ein anynomer riesengroßer und grauer Multiplex-Betonklotz ist… Wir gehen auch viel lieber in Kinos mit Atmosphäre.
    Der Text ist echt ein netter Einblick in die Geschichte des Dome Cinema. 🙂

    Gefällt 1 Person

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