Science & Film: Der Marsianer – Rettet Mark Watney

Im vergangenen Oktober kam die Verfilmung von Andy Weirs gleichnamigem Roman in unsere Kinos. Meine Rezension findet ihr hier. An den Volkshochschulen Wien gibt es seit einiger Zeit die wunderbare science card, für die man im Semester 29 Euro bezahlt und dann kostenlos zahlreiche interessante Vorträge besuchen kann. Einer davon setzte sich mit wissenschaftlichen Betrachtung von Ridley Scotts Film auseinander und da mich die Hintergründe, speziell bei Filmen, die mit Raumfahrt und dem Universum zu tun haben immer schon interessiert haben, möchte ich die wichtigsten Erkenntnisse bzw. Fehler des Filmes mit euch teilen.

Um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: ich finde den Film nach wie vor großartig. Der Vortragende, der selbst an einer Probemission für den Mars in der Wüste Utahs teilgenommen hat und ein versierter Wissenschaftler ist, ist übrigens derselben Meinung. Die künstlerische Freiheit sollte man nicht zu sehr vom Machbaren begrenzen lassen 😉

Problem 1: Der Sturm

Der tosende Sandsturm, der die Crew zum Abbruch der Mission zwingt und dafür sorgt, dass Mark Watney von einem herumfliegenden Teil getroffen und von seinen KollegInnen für tot gehalten wird, kann in dieser Form nicht stattfinden. Der Mars hat auf seiner Oberfläche einen atmosphärischen Druck von ca. 6 Millibar, das entspricht in etwa dem Luftdruck in 35 Kilometern Höhe auf der Erde. Sandstürme gibt es tatsächlich, doch bei einem solchen Druck würden die Sandkörner sanft durch die Luft rieseln und auf keinen Fall stürmen. Die kleinen Mini-Wirbelstürme, die im Film zu sehen sind und „Dust Devils“ genannt werden, gibt es hingegen tatsächlich auf dem Mars.

Problem 2: Die Solarzellen

Problem 1 bringt uns gleich zu Nummer 2. Die Sandstürme sind zwar eher Lüftchen, sie finden aber oft statt und können bis zu 9 Wochen durchgehend andauern. Dabei ist es auf dem Mars dauerhaft so dunkel wie in der Nacht auf der Erde. Unter diesen Bedingungen die Energie aus Solarzellen zu beziehen ist riskant bzw. nahezu unmöglich.

Problem 3: Der Himmel

Das der Mars ein roter Planet ist, ist richtig und dem Eisenoxid-Staub zu verdanken, der die gesamte Oberfläche überzieht. Allerdings wäre der Himmel nicht gelblich, wie er im Film oftmals erscheint, sondern blau wie bei uns und bei nahenden Sandstürmen rosafarben. Zudem gäbe es keine Wolkenformationen, wie bei uns, sondern Eiskristallwolken. Dieser Aspekt ist aber wohl weniger Problem, als ein vernachlässigbarer Fehler.

Problem 4: Die Abdeckung der Druckschleuse

Viele haben sich wahrscheinlich beim Ansehen des Films über die beinahe magischen Kräfte des Power Tapes und die Plastikumhüllung des Eingangs der explodierten Druckschleuse gewundert. Power Tape ist tatsächlich eine faszinierende Erfindung und hat schon so manchen Einsatz im Weltraum gerettet. Ein größeres Problem ist die Plastikfolie, denn Plastik enthält Weichmacher und da der Mars keine Ozonschicht besitzt trifft die UV-Strahlung ungebremst auf die Folie, die dadurch vor sich hin schmelzen würde.

DerMarsianerDruckschleuse

Plastikfolie und Power Tape über der Druckschleuse © http://upwards-mars.eu/sites/default/files/the_martian_movie_image_xa_base.png

Problem 5: Der Raumanzug

Der Anzug, den Mark Watney bei seinen Spaziergängen auf dem Mars trägt ist eher stylish als funktionell, denn wie gerade eben erwähnt ist die UV-Strahlung brutal, zudem kann die Temperatur auf bis zu – 133 Grad Celsius sinken und neben der Sonneneinstrahlung, haben auch radioaktive Strahlungen und möglicherweise sogar Neutronen keine Schutzhülle, die sie beim Eintritt in die Atmosphäre des Mars behindern würde. Zudem geht das Anziehen der Raumanzüge im Film ziemlich schnell. Tatsächlich dauert diese Prozedur zwischen 30 und 60 Minuten und erfordert Hilfe von einem Crew-Mitglied. Dies wäre natürlich in einem Film schwer darzustellen.

Problem 6: Die Abreise der Crew

Laut den Erklärungen zu Beginn des Films, war die Mission für 31 SOLs (= Tage) geplant und muss an SOL 18 aufgrund des Sturmes (der so nicht möglich ist) abgebrochen werden. Die Crew verlässt nach dem Unfall von Watney den Planeten und fliegt zurück zum Basisschiff Hermes. Logischer wäre jedoch, dass die Crew im Orbit von Mars bleibt und abwartet wie lange der Sturm dauert. Ein Sturm kann 9 Wochen dauern, manchmal aber auch nur 1 bis 2 Tage und wenn man von den Kosten und der Planungszeit der momentanen Mission zum Mars ausgeht, die in den Milliarden-Bereich geht und ca. 26 Jahre Vorlauf- und Testzeit benötigt erscheint es unwahrscheinlich, dass man die Mission einfach so abbricht und zur Erde zurück fliegt, ohne vorher abzuwarten was noch zu machen ist…und die Crew hätte den verletzten Mark Watney entdeckt.

Problem 7: Die Schwerelosigkeit und der Ausflug

Ein paar Fehler haben sich auch auf der Hermes eingeschlichen. Dadurch, dass das Schiff sich an vielen Stellen dreht, würde das schwerelose Schweben so nicht ganz funktionieren. Doch der weit schwerer wiegende Fehler ist beim Außenspaziergang von Astronaut Beck zu sehen: ohne sich durch Sicherungsseile am Raumschiff fest zu machen, schwebt er an den Außenwänden entlang. Würde man im Weltraum tatsächlich nur wenige Zentimeter wegdriften, wäre man auf dem Weg in die unendlichen Weiten…und würde dort auch bleiben. Mit einem Wort, dieses Risiko würde kein Astronaut eingehen.

DerMarsianerRaumschiff

Chris Beck auf dem Weg nach draußen © http://www.foxmovies.com/movies/the-martian

Problem 8: Der Sauerstoff

Eine weitere Frage, die über die Dauer der Geschichte auftaucht ist die, wie Mark Watney über ein solch langen Zeitraum den Sauerstoff in der Wohnkuppel aufbereitet. Er hat zwar ein Kartoffelfeld angepflanzt, doch die Arbeit der Pflänzchen würde nicht ausreichen Sauerstoff zu produzieren. Obwohl sich seine Probleme häufen, scheinen ihm auf der anderen Seite nicht die Ressourcen auszugehen. Allerdings ist dies ein Phänomen, das man in vielen Filmen (sehr oft im Genre Action) beobachten kann.

DerMarsianerPflanzen

Mark Watney bei der Pflege seiner Kartoffelpflanzen © http://cdn.modernfarmer.com/wp-content/uploads/2015/10/matt-damon-martian.jpg

Problem 9: Die Kontamination

Das letzte große Problem auf der Liste ist die Kontamination. Betritt man als Astronaut einen Planeten, von dem man die genaue Beschaffenheit und Zusammensetzung noch nicht kennt, versucht man so wenig der eigenen DNA sowie Schmutz nach außen zu tragen, um das Ökosystem nicht zu beeinträchtigen. Auf der anderen Seite versucht man auch möglichst wenig Material an Schuhen oder Kleidung in die Wohnkuppel zu bringen, wenn man nicht weiß, welche Auswirkungen die Stoffe, aus denen sich der Planet zusammensetzt auf den menschlichen Organismus haben. Watney beachtet beide Varianten kaum und das könnte ziemlich gefährlich enden. Mittlerweile wird sogar überlegt Weltraumanzüge als Teil der Außenverschalung von Raumschiffen zu installieren, so als würde man in eine Kabine an der Außenwand einsteigen und diese auch wieder draußen zurück lassen, wenn man wiederkehrt, um Kontaminationen auf einem Minimum zu halten.

Ich hoffe, der Text war informativ für euch. Wenn ihr Fragen habt, schreibt mir bitte!

Falls nun euer Interesse für die Vortragsreihe „Science in Film“ mit Themen aus Astronomie und Geschichte geweckt ist, habe ich hier die noch verbleibenden Termine aufgelistet:

„Zurück in die Zukunft III“ am 25. April, 19h bis 22h 30, Wiener Urania mit Klemens Himpele und Werner Gruber – 10 Euro, mit Science Card gratis

„Der Vorleser“ am 29. April, 19h bis 21h 30, Wiener Urania mit Robert Streibel – 10 Euro, mit Science Card gratis

„Europareport – Sind wir allein?“ am 12. Mai, 19h bis 21h 30, Wiener Urania mit Johannes Leitner – 10 Euro, mit Science Card gratis

 

Header: Mark Watney alias Matt Damon erkundet den Mars © http://www.ablogtowatch.com/wp-content/uploads/2015/08/The-Martian-Matt-Damon-Hamilton-Watch-5.jpg

 

9 Gedanken zu “Science & Film: Der Marsianer – Rettet Mark Watney

    • Würde total gerne zu „Zurück in die Zukunft III“ gehen, aber bei den nächsten Terminen hab ich leider immer Terminkollisionen :/ Die Reihe geht aber sicher im kommenden Semester bzw. im Sommer weiter, dann bin ich auf jeden Fall wieder dabei 😉

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  1. Pingback: GEWINNSPIEL | Filmsalon

  2. Hat dies auf Ma-Go Filmtipps rebloggt und kommentierte:
    Hallo Filmfreunde,

    meine liebe Kollegin Angela vom Filmsalon hat neulich einen wie ich finde sehr interessanten Beitrag verfasst, in dem der letztjährige Kinoerfolg „Der Marsianer“ unter wissenschaftlichen Aspekten genauer unter die Lupe genommen wird. Auch wenn die vorhanden Filmfehler das Sehvergnügen nicht mindern dürften/sollten, sind dennoch einige interessante Punkte dabei. Schaut mal rein!

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  3. Bin gerade auf einen Blog gestoßen und muss sagen erstens ich mag ign und zweitens ich liebe, liebe, liebe diese Institution und diesen Beitrag… Ich wünschte ich würde zumindest in der Nähe von Wien wohnen 😀 Vielleicht werde ich dort irgendwann mal studieren.

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    • Vielen Dank, freut mich, dass dir mein Blog gefällt 🙂 Ja ich liebe diese Vorträge und die Science Card…ich bin dieses Semester sicher bei 20 Vorträgen 😀 Solltest du in Wien studieren, kann ich dir die Vorträge sehr empfehlen…aber bei dem kulturellen Angebot der Stadt wird dir ohnehin nicht langweilig werden 😉

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