CROSSING EUROPE 2016 – Festivalbericht

Auch dieses Jahr habe ich mich wieder auf den Weg nach Linz gemacht zur 12ten Ausgabe des Crossing Europe Filmfestivals. Das Festival gehört neben der Viennale und der Diagonale zu den drei wichtigsten Filmfestivals Österreichs und setzt seinen Schwerpunkt auf innovatives, zeitgenössisches Kino aus Europa. Die präsentierten Filme werden in mehrere Sektionen aufgeteilt.

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Rüstzeug für Presseleute © Angela Sirch

Im Bereich Competition Fiction laufen neun bis elf Langspielfilme europäischer RegisseurInnen, die Ihren Debüt- oder Zweitfilm als Österreichpremiere präsentieren. Am Ende des Festivals werden unter den TeilnehmerInnen dieser Kategorie zwei Festivalpreise vergeben: der „CROSSING EUROPE Award – Best Fiction Film“ (dotiert mit 10.000 Euro) und der „CROSSING EUROPE Audience Award – Best Fiction Film“ (dotiert mit 1.000 Euro).

In der Kategorie Competition Documentary gibt es für die Zuschauer neun bis zehn europäische Langdokumentarfilme zu sehen, die sich durch ihre unkonventionelle Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen auszeichnen. Hier wird der „CROSSING EUROPE Social Awareness Award – Best Documentary“ vergeben (dotiert mit 5.000 Euro, zur Verfügung gestellt von gfk Gesellschaft für Kulturpolitik in Österreich).

In der Sektion European Panorama Fiction und European Panorama Documentary werden Highlights der vergangenen Festivalsaison als österreichische Erstaufführungen gezeigt.

Bei Arbeitswelten – Bildung, Ausbildung und Beruf(ung) werden in Kooperation mit der Kulturabteilung der Arbeiterkammer Oberösterreich europäische Arbeitswelten und –realitäten beleuchtet.

Die Sektion European Communities – Dorfkommunen im Spiegel Europas zeigt in Kooperation mit dem afo Architekturforum Oberösterreich Filme aus dem Spannungsfeld Architektur und Gesellschaft.

Jedes Jahr gibt es zudem ein Tribute für einen Filmautor oder eine Filmautorin, bei dem deren Gesamtwerk gezeigt wird. Dieses Jahr stand das Werk der tschechischen Dokumentarfilmregisseurin Helena Třeštíková auf dem Festivalplan, die vor allem mit Porträts von einzelnen Personen und Paaren berührt, die sie über einen sehr langen Zeitraum immer wieder mit der Kamera begleitet und so die Veränderungen zwischenmenschlicher Beziehungen und den Lauf des Lebens filmisch festhält.

In der Kategorie Nachtsicht werden, wie der Name schon verrät zu später Stunde innovative Beispiele aus dem Bereich des fantastischen Films aus Europa gezeigt.

Im Bereich CINEMA NEXT EUROPE: Heimatland – Wonderland wird das Hauptaugenmerk auf den europäischen Filmnachwuchs und junge Stimmen des europäischen Kinos gelegt. Die Auswahl findet in Kooperation mit Cinema Next statt.

In der Sektion Local Artists werden Filme mit Bezug zu Oberösterreich aller Genres, Formate und Längen präsentiert. Innerhalb dieser Sektion gibt es noch die Unterkategorie „Local Artists Music Videos“ bei der in Kooperation mit CREATIVE REGION Linz & Upper Austria aktuelles Schaffen aus dem Bereich der Musikvideokunst gezeigt wird. Hierfür wird auch der „CREATIVE REGION MUSIC VIDEO Audience Award“ vergeben (mit 1.500 Euro dotiert).

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Infotisch im Press/Guest-Office © Angela Sirch

Dieses Jahr lief das Filmfestival von 20. bis 25. April. Ich war Samstag und Sonntag mit dabei. Am ersten Tag hatte ich zwei Filme auf dem Programm, die ich euch gerne vorstellen möchte. Ausgerüstet mit Presseausweis, dem Programm, jeder Menge Infomaterial und Einladungen zu Talks und Veranstaltungen des Rahmenprogramms ging es auf zum  ersten Film.

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Kinokarte für „The Good Life“ © Angela Sirch

Mein erster Kinobesuch führte mich ins Festivalzentrum zum Programm „The Good Life“ bestehend aus den drei Kurzfilmen Wallenhorst von Steffen Goldkamp (DE), Sfârşitul verii/End of Summer von Alina Manolache (RO) und Det gode livet, der borte/The Good Life – Over There von Izer Aliu (NOR). Der erste Film hat mir am wenigsten gefallen, da er einfach nur einzelne Szenen des Alltags einer deutschen Ortschaft zeigt und meiner Meinung nach zu wenig Inhalt oder Material hergibt, das einen zum Nachdenken anregt. Dies macht der zweite Film in diesem Reigen hingegen ganz hervorragend, der rumänische Jugendliche auf ihrem Weg durch die letzten Schulsommerferien begleitet. Man sieht sie feier, trainieren, sich prügeln und flirten. Sie sprechen über ihre Zukunft, ihre Schwächen und vermitteln in kurzen Sätzen und Aufnahmen Bilder ihrer Leben. Det gode livet, der borte bildet einen amüsanten fiktionalen Abschluss dieser zusammengestellten Trilogie. Ein junger illegaler Bauarbeiter soll für einen Tag auf den ungezogenen Sohn seines Chefs aufpassen, der seinen Vater für den Größten hält, obwohl dieser nie wirklich Zeit hat. Im Laufe des Tages entsteht zwischen den beiden jedoch eine ungewöhnliche Freundschaft. Mit Humor und feinen Nuancen kreiert Izer Aliu einen sehr schönen Film über Vater-Sohn-Beziehungen und Heimat. Der Regisseur war im Anschluss an das Screening zu einem Gespräch im Saal und meinte, dass für ihn Humor der Weg ist um schwierige Themen anzusprechen.

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Izer Aliu im Gespräch zu seinem Film „Det gode livet, der borte“ © Angela Sirch

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Mein Ticket zu „Das Wetter in geschlossenen Räumen“ © Angela Sirch

Der zweite Kinoprogrammpunkt des Tages war Isabelle Stevers Film „Das Wetter in geschlossenen Räumen“ (DE). Ein intensiver Film mit Maria Furtwängler als Hauptfigur Dorothea Nagel, eine UN-Mitarbeiterin, die in einem Hotel im Krisengebiet darauf wartet, dass sich die Grenzen öffnen, Flüchtlinge ins Land strömen und sie mit ihrer Arbeit beginnen kann: dem Eintreiben von Spenden. Gefangen zwischen dem Helfen und dem Umstand, mit Krieg und Elend Geld zu verdienen verliert Nagel langsam die Kontrolle über ihr Leben. Sie vergnügt sich in ihrer Luxus-Suite mit einem drogenabhängigen jungen Mann und betrinkt sich jeden Abend bei dem Versuch, reichen Geschäftsmännern Geld abzuluchsen.

Der Film kommt wie ein Kammerspiel daher ist wild und doch ruhig und klar erzählt mit einer großartigen Hauptdarstellerin, die in diesem Film zeigen kann was sie als Schauspielerin alles drauf hat. In absurden Dialogen spürt man die Absurdität von Nagels Job, wenn z.B. einen berühmte Sängerin meint, sie fände es schön wenn die Flüchtlingskinder für die man bei einer Wohltätigkeitsgala sammelt, dort den Wein ausschenken würden. Auch wenn man Nagels Vorgehensweise nicht immer verstehen kann, nicht weiß warum sie sich mit bestimmten Menschen abgibt, die ihr absolut nicht gut tun und ihre Verzweiflung ausnützen, so versteht man doch, wie es soweit kommen konnte, dass ihr Leben vollkommen aus den Fugen gerät.

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Isabelle Stever beim Publikumsgespräch © Angela Sirch

Regisseurin Stever war anschließend noch zum Publikumsgespräch geladen und erklärte, dass eines der Hauptthemen des Films die Abhängigkeit der Helfer von der Not sei. Ihre Figuren und insgesamt die ganze Geschichte seien eine Collage aus tatsächlichen Menschen und Situationen. Sie hat zudem rund zwei Jahre dafür gekämpft Maria Furtwängler für die Rolle zu gewinnen und wollte bewusst eine starke Person zeigen, da es für den Zuschauer dann noch schmerzhafter ist diese fallen zu sehen. Man kann sagen, dieses Konzept ist voll und ganz aufgegangen. Obwohl die Figur im Fallen begriffen ist, so ist sie doch immer auf Augenhöhe, man bemitleidet sie nicht, man kämpft und ficht mit ihr mit. Der Film will auch nicht klar aussagen wie man denken soll und auch keine Seite als Gut oder Böse abstempeln, es wird einfach ein Bild gemalt, Absurdität und Zwiespalt aufgezeigt und jeder ist dazu eingeladen, sich seine eigene Meinung zu bilden.

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Abendessen und Blog-Arbeit © Angela Sirch

Abends waren Entspannung und in bisschen Arbeit im Hotel angesagt und nach einem ausgiebigen Frühstück ging es am Sonntag weiter in die zweite Runde.

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Meine Wenigkeit, top motiviert für den zweiten Tag © Angela Sirch

Der erste Programmpunkt am Sonntag war London Road von Rufus Norris (GB), die Verfilmung des gleichnamigen Musicals. Der Film erzählt die wahre Geschichte einer Mordserie in der britischen Kleinstadt Ipswich. In titelgebender London Road wurden im Herbst/Winter 2006 fünf Prostituierte ermordet aufgefunden. Steve Wright, der in jener Straße ein Einfamilienhaus bewohnte wurde später verhaftet und für die fünf Morde zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Anschluss an die Mordserie war eine Reihe von Interviews mit den Anrainern von London Road gemacht worden. Die Aussagen dieser Interviews wurden wortwörtlich in Songs umgewandelt und zu einem Musical zusammen gefügt. Mit viel schwarzem Humor und Tragik werden die grausame Mordgeschichte, aber auch der merkwürdige Umgang der Bewohner aufgezeigt, die kaum Mitleid mit den Opfern haben, sondern sich selbst als Opfer inszenieren. Die Musik hat keine klassische ins Ohr gehende Melodie, ist aber dennoch sehr eindringlich und außergewöhnlich. Der Film ist eine spannende, ungewöhnliche Mischung, gut besetzt und inszeniert, der eine von den Medien groß in Szene gesetzte Geschichte von allen Seiten betrachtet.

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Im Kino für „London Road“ © Angela Sirch

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Beim Gende Equality Talk im Festivalzentrum © Angela Sirch

Anschließend an diesen Kinobesuch stand Talk auf dem Programm. Der Gender Equality Talk hatte dieses Jahr den Titel „Take the Money and Shoot. We tell you how we did it“ und setzte sich mit der Finanzierung von Filmen und den Problemen, die weibliche Produzentinnen und Regisseurinnen in diesem Bereich haben auseinander. Durch die Diskussion führte die Filmproduzentin, Dramaturgin und Drehbuchautorin Ursula Wolschlager vom Verein FC Gloria und die Gäste waren die Regisseurinnen Claudia Dworschak (AT), Marianna Economou (GR), Sandra Trostel (DE) und Svetla Tsotsorkova (BG). Zunächst gab es von Seiten des FC Gloria ein paar Hard Facts zu den Arbeitsfeldern und der Verteilung von Geldern in der Filmbranche:

  • Studierende an der Filmakademie 2009-2015: 41% Frauen 59% Männer
  • ProfessorInnen an der Filmakademie 2015: 10% Frauen / 90% Männer
  • ProduzentInnen 2015: 17% Frauen / 83% Männer
  • DrehbuchautorInnen 2015: 32% Frauen / 68% Männer
  • RegisseurInnen 2015: 34% Frauen / 66% Männer
  • Gesamtbudget Bundeskanzleramt 2 Mio. Euro: 45% Frauen / 55% Männer
  • Gesamtbudget Österreichisches Filminstitut 15 Mio. Euro: 20% Frauen / 80% Männer
  • Gesamtbudget Film Fonds Wien 6,6 Mio. Euro: 17% Frauen / 83% Männer

Sandra Trostel, die ihren nächsten Film zum Teil über Crowdfunding finanziert machte den Anfang und zeigte gleich einmal diesen kurzen Film, der die Vorgänge der Filmfinanzierung sehr gut veranschaulicht.

Sie stellte aber auch klar, dass Crowdfunding nicht für jeden Film funktioniert. Mit jedem Film spricht man eine bestimmte Gruppe von Menschen an und eben diese sind vielleicht gerade nicht mit dem Prinzip des Crowdfunding vertraut oder haben Probleme damit, online Geld zu übermitteln. Auch die unterschiedlichen Modelle des Crowdfundings sind bei uns nicht sehr geläufig. So gibt es Varianten bei denen ein Wunschbetrag angegeben wird, dann wird gespendet und auch wenn der Wunschbetrag nicht erreicht wird, geht das eingenommene Geld an das Filmprojekt, was jedoch bedeutet, dass dann oft mit sehr viel weniger Budget gearbeitet werden muss, weil das gespendete Geld ja zweckgebunden ist. Eine andere Version ist das „All or Nothing-Prinzip“ bei dem ebenfalls der Wunschbetrag festgelegt wird, doch wenn hier das Finanzziel nicht erreicht wird, gehen die gespendeten Gelder wieder an die Spender zurück. Vor allem sei es aber wichtig zu vermitteln wie teuer ein Film ist. Wenn ihr Sandra Trostels nächsten Film All Creatures Welcome gerne unterstützen möchtet, gelangt ihr hier zu ihrer Crowdfunding-Seite.

Mit einer ganz neuen Dimension des fehlenden Geldes hat die griechische Regisseurin Marianna Economou zu kämpfen, doch sie ist positiv überrascht wie reichhaltig das filmische Angebot trotz aller Widrigkeiten ist. Obwohl es seit einiger Zeit keine staatliche Filmförderung mehr gibt, gab es beim letzten Festival von Thessaloniki, dem größten griechischen Filmfestival 74 griechische Produktionen zu sehen. Das Positive an der Krise ist, dass alle finanziell gesehen im selben Boot sitzen und somit die Hilfsbereitschaft untereinander gestiegen ist. Als sie für ihren Film The Longest Run, über zwei junge Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien, die in einem griechischen Jugendgefängnis gelandet sind eine Drehgenehmigung für besagtes Gefängnis erhielt, musste sie mit den Dreharbeiten beginnen, obwohl sie keine finanziellen Mittel hatte. Da die Zuständigen für die Ausstellung von Genehmigungen ständig wechseln, wollte sie nicht riskieren einen Rückschritt hinnehmen zu müssen. Das Problem bei der Finanzierung ist oft, dass vorab viel Interesse gezeigt wird, aber schlussendlich selten eine Kooperation zustande kommt. So wurde Economou mit ihrem Film vorab zu einem Co-Production Meeting in Leiprig eingeladen und gewann den Work-in-Progress Award in Thessaloniki, doch bei beiden Malen gab es kein Geld. Erst als der Film fertig war und mehrere Filmpreise gewann, stellten sich Firmen an um den ihn in den Vertrieb zu nehmen. Doch Sales bringt weniger Geld, als wenn vorab in die Co-Produktion investiert wird.

Claudia Dworschak arbeitet gerne im Kollektiv und startete ihr aktuelles Filmprojekt Mein Name ist. Ich bin. mit 4 Co-Regisseuren. Dreh und Schnitt waren von der Finanzierung her nicht das Problem, doch man benötigte Dolmetscher für die Asylsuchenden, die in Dworschaks Film porträtiert werden. Die Stadt Linz hat keine eigene Filmförderung und die Filmförderstelle des Landes Oberösterreich stellt nur 10% des Budgets zur Verfügung. Gerade bei Themen die eine aktuelle gesellschaftspolitische Brisanz haben, hemmt die Abhängigkeit von Geldern die Reaktionsfähigkeit: man kann nun einmal nicht mit der Fertigstellung warten, bis das Thema nicht mehr aktuell ist.

Die bulgarische Regisseurin Svetla Tsotsorkova hat an der National Academy for Theatre and Film Arts Sofia studiert und sich mit einer Studienkollegin zusammen geschlossen: wenn Tsotsorkova Regie führt produziert ihre Kollegin diesen Film und umgekehrt. In Bulgarien gibt es kein klassisches Fördersystem, mit Filminstituten, sondern ein großes staatliches Filmcenter, das aber sehr genderunabhängig seine Förderungen vergibt. Für Debütfilme gibt es umgerechnet an die 120.000 Euro, etablierte Regisseure bekommen bis zu 600.000 Euro. Allerdings gibt es viele Regisseure, die nicht auf staatliche Förderungen warten wollen und mit eigenen Mitteln oder privaten Spenden arbeiten. In diesem Jahr gibt es 10 solcher unabhängigen Produktionen. Oft fühlt man sich wie ein Bittsteller, aber wenn man mit Leidenschaft bei der Sache ist stört einen das nicht weiter, weil man weiß, dass das Projekt am Ende aufgeht. Tsotsorkova zitierte in diesem Zusammenhang eine ihrer Professorinnen an der Filmuni: „You can make films with money or with friends.“

Im Zuge der Diskussion mit dem Publikum kam die Frage auf, ob Frauen oft zu zurückhaltend sind wenn sie um Geld und Filmfinanzierung ansuchen. Die Antwort darauf war, dass es bei der Beschaffung von Filmförderung sehr wichtig sei zu wissen, wo man hingeht und welche bürokratischen Wege man zu gehen hat. Es geht also nicht so sehr um den Ton, sondern darum gut informiert und vernetzt zu sein. Viele Künstlerinnen würden zudem ganz bewusst mit weniger Budget kalkulieren. So z.B. Sandra Trostel, die meinte, dass ein kleines Budget zwar Schwierigkeiten mit sich bringt, aber auf der anderen Seite mehr Freiheiten bietet. So habe sie schlechte Erfahrungen gemacht wenn es um die Kooperation mit dem Fernsehen geht.

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Kinokarte zu „Tempête“ © Angela Sirch

Leider musste ich die Diskussion vor dem Ende verlassen um Karten für den letzten Kinobesuch am Crossing Europe zu ergattern: Tempête/Land Legs von Samuel Collardey. Tempête erzählt die Geschichte des Fischers Dominique, der hin und her gerissen ist zwischen seinem anstrengenden Beruf auf rauen Gewässern und seinem Job als Vater zweier pubertierender Kinder. Als seine 16-jährige Tochter schwanger wird, droht Dominiques Ex-Frau damit ihm das Sorgerecht für die Kinder streitig zu machen. Der Fischer möchte sein Leben umkrempeln, macht den Schein zum Kapitän um sich ein eigenes Boot zu kaufen und regelmäßiger für seine Kinder da sein zu können, doch seine Pläne gehen nicht so auf, wie er es sich wünscht.

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Samuel Collardey im Gespräch © Angela Sirch

Das Besondere an diesem Film ist, dass die drei Hauptfiguren Dominique und seine Kinder Matteo und Mailys Laiendarsteller sind und sich selbst und ihre eigene Geschichte spielen. Vielleicht sind sie deshalb so gut und eindringlich bei dem was sie tun…oder es handelt sich tatsächlich um bisher unentdeckte Schauspieltalente. Besonders Dominique Leborne, der für seine Darstellung bei den Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet wurde spielt mit soviel Tiefgang, dass es einem leicht fällt mitzufühlen bei seinem Kampf um seine Kinder und die Nähe zu ihnen. Regisseur Samuel Collardey sprach nach dem Film noch über die Arbeit mit der Familie, so lebte er mehrere Wochen mit Dominique zusammen, und über die Themen, die er mit dem Film ansprechen möchte. Es geht nicht nur um zwischenmenschliche Beziehungen zwischen Vater und Kindern, sondern auch um das Porträt eines Berufes und die Probleme, die dieser mit sich bringt. Die Vereinbarkeit von Seefahrt, bei der man oft wochenlang nicht zuhause ist und dem Familienleben sowie die Tradition, den Beruf von Vater zu Sohn weiterzugeben, die in Dominiques Familie gebrochen wird sind Hauptthemen des Films.

Nach diesem wunderbaren Film ging es für mich wieder zurück nach Hause. Auch wenn mein Besuch nur kurz angedauert hat, so hat mich das Crossing Europe einmal mehr mit seiner entspannten, gemütlichen Atmosphäre und seinem reichhaltigen Programm begeistert. Ich hoffe, ihr konntet ein paar neue Filmtipps aus meinem Festivalbericht gewinnen und freue mich schon auf das nächste Jahr.

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Letzter Blick auf den OK-Platz © Angela Sirch

Zum Abschluss gibt es hier noch die diesjährigen PreisträgerInnen:

CROSSING EUROPE Best Fiction Film: ex aequo-Entscheidung (d.h. jeweils 5.000 Euro) für Babai (Visar Morina, DE/KO/MZ/FR 2015) und Baden Baden (Rachel Lang, BE/FR 2016)

CROSSING EUROPE Audience Award: Jajda/Thirst (Svetla Tsotsorkova, BG 2015)

CROSSING EUROPE Social Awareness Award – Best Documentary: Rio Corgo (Maya Kosa & Sérgio da Costa, CH/PT 2015) + Special Mention: Birobidjan – Le Nid Est Tombé Dans Les Flammes/Birobidjan – The Nest Has Fallen Into The Flames (Guy-Marc Hinant, BE 2015)

CROSSING EUROPE Award – Local Artist: Those Shocking Shaking Days (Selma Doborac, AT/BA 2016) + Korida (Siniša Vidović, AT 2016)

CROSSING EUROPE Social Awareness Award – Local Artist: Unten (Djordje Čenić & Hermann Peseckas, AT 2016)

CREATIVE REGION MUSIC VIDEO Audience Award: Wösside – Wös Rap Rec (Leni Gruber, AT 2015)

CROSSING EUROPE Award – Local Artist Atelierpreis: Last Supper IV (Maria Czernohorszky, AT 2015)

PICTURE your SOUND your PICTURE Atelierpreis: Fatima el Kosht & Remo Rauscher

Header: Festivalzentrum am OK-Platz in Linz © Angela Sirch

 

 

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