Chevalier

Sechs Männer auf einer Luxusjacht. Freunde, die gemeinsam tauchen und fischen gehen, diskutieren, trainieren, essen, trinken und entspannen. Ein Urlaub von Männern unter sich. Soweit so gut, bis eines Abends mit einem Spiel begonnen wird in dem es darum geht, in den kommenden Tagen darum zu wetteifern wer in der Gruppe der Beste ist. Nicht im Tauchen, beim Training oder bei Intelligenzaufgaben sondern im Allgemeinen. Als Preis winkt dem Gewinner der Ring des Chevalier, der den besten Ritter dieser modernen, ungewöhnlichen Tafelrunde ehren soll, deren Mitglieder nicht nur große Altersunterschiede, sondern auch ihr jeweiliger sozialer Status voneinander trennen. Doch wie ermittelt man wer im Gesamten gesehen der Beste ist? Wer bestimmt was am besten ist? An welchen Werten oder Vorgaben soll man sich orientieren, die nicht viel zu subjektiv sind? Die Männer müssen unterschiedliche Aufgaben bestehen und dabei Punkte sammeln. Sie stürzen sich in alle möglichen Vergleiche, sei es der Fitnessgrad, die Beschaffenheit des Gemächts oder der Klingelton des Handys. Immer obskurer werden die kleinen Wettbewerbe und immer intensiver der Kampf zwischen den Freunden, die mehr und mehr zu Feinden werden.

Die griechische Regisseurin Athina Rachel Tsangari präsentiert mit Chevalier eine bitterböse Analyse von absurden Definitionen von Männlichkeit, zeigt aber auch in Untertönen ein Porträt der griechischen Gesellschaft, die immer mehr von wachsenden sozialen Klüften durchzogen ist. Mit einem gekonnten Spiel zwischen Tragik und Komik stellt sie den wahnwitzigen Drang unserer Zeit in Frage, alles als Konkurrenzkampf zu inszenieren und Dinge, Eigenschaften und Fähigkeiten zu bewerten, bei denen es völlig im Auge des Betrachters liegt, ob sie positiv oder negativ aufgenommen werden. Während der eine bei seinem Gegenüber auf Fitness und gutes Aussehen achtet, sind dem anderen Intelligenz und Zurückhaltung wichtiger. Der Kampf der Freunde spitzt sich immer mehr zu und bleibt dennoch im wahrsten Sinne des Wortes „wahnsinnig komisch“. Befindlichkeiten wie Neid, Selbstgerechtigkeit, Eifersucht und Geltungsdrang werden hinterfragt  indem sie schamlos zur Schau gestellt werden und das nicht so überzeichnet, dass man sich nicht in manch seltsamem Vergleich, den man zwischen anderen Menschen und sich selbst bereits gezogen hat wieder erkennen würde.

Diese Rezension ist auch in der April-Ausgabe des ray Filmmagazin erschienen.

CREDITS

Originaltitel Chevalier

Land Griechenland

Filmlänge 99 Min

Jahr 2016   

Kinostart AUT 06. Mai 2016

Genre Drama / Komödie

Regie Athina Rachel Tsangari

Drehbuch Athina Rachel Tsangari, Efthymis Filippou

Musik –

Kamera Christos Karamanis

Schnitt Matthew Johnson, Yorgos Mavropsaridis

Kostüm Vasileia Rozana

Make Up Daniel Babek, Evi Zafiropoulou

Szenenbild Anna Georgiadou

Ton Leandros Ntounis, Dimitris Rouhitsas, Kostas Vasympopiotis

Produktion Faliro House Productions, Greek Film Center, Haos Film

Verleih AUT Stadtkino Filmverleih

DarstellerInnen Yiorgos Kendros, Panos Koronia, Vangelis Mourikis, Yorgos Pirpassopoulos, Sakis Rouvas, Makis Papadimitriou, Nikos Orphanos, u.a.

Drehorte Griechenland

Header: Filmstill Chevalier © http://dl9fvu4r30qs1.cloudfront.net/03/4c/27131a5c4d348b89d8cc16d153c1/chevalier-screenshot.56.14%20AM.png

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