KINOJUWELEN: Byrd Theatre (USA)

Das Byrd Theatre in Richmond, Virginia wurde 1928 erbaut, hat 1.300 Sitzplätze und wurde nach William Byrd, einem der Gründerväter Richmonds benannt. Die erste Filmvorführung gab es Waterfront zu sehen, einen Stummfilm mit zugefügtem Sound sowie Dorothy MacKaill und Jack Mulhall in den Hauptrollen. Für eine Eintrittskarte zahlte man damals vormittags 25 Cents, abends 50 Cents. Heutzutage sind es immer noch nur 1,99 Dollar.

Das Theater ist ein wahrer Filmpalast mit einem imposanten Kinosaal geschmückt mit Malereien, Marmorwände, mit Blattgold verzierten Bögen und zum Teil original erhaltenen Mohair-Sesseln. Über dem Auditorium schwebt ein zweieinhalb Tonnen schwerer, über 5 Meter breiter Kristallluster bestehend aus 5.000 Kristallen, die von 500 roten, blauen, grünen und gelben Lampen zum Strahlen gebracht werden. Erbaut wurde das Byrd Theatre von Walter Coulter und Charles Somma nach Entwürfen des Architekten Fred Bishop. Die Dekoelemente wurden wurden von Brunet Studios aus New York gestaltet.

Erstaunlich ist, dass das Byrd Theatre bereits bei seiner Eröffnung über zwei Soundsysteme  verfügte. Eines davon war Vitaphone, jenes System, das bei den ersten Tonfilmen eingesetzt wurde, zu dieser Zeit aber erst selten in Kinos zu finden war, da man sich nicht sicher war, ob sich der Tonfilm durchsetzen würde. Zusätzlich hatte man auch eine Wurlitzer-Orgel, damit auch der Stummfilm nicht zu kurz kam. Weil Ray Dolby 2004 so begeistert von dem prunkvollen Filmtheater war, spendete er einfach mal sein neuestes Sound-System, das 2006 eingebaut wurde. Dass das Theater so prächtig wurde ist auch dem beachtlichen Budget von 900.000 Dollar zu verdanken, die der Bau kostete, was nach heutigen Verhältnissen einer Summe von 11 Millionen Dollar entspricht.

Die Wandgemälde der Lobby wurden in einem New Yorker Studio in Acryl und Öl angefertigt und haben zumeist die griechische Mythologie zum Thema. Der Kinosaal erinnert im Stil an ein französisches Opernhaus und präsentiert sich in üppigem Rokoko. Die wichtigsten Elemente sind Marmor, Blattgold, Stuckarbeit und purpurner Samt und die dominierenden Farben Bernstein, Gold und Dunkelrot. Das Byrd Theatre begnügt sich nicht mit kleinen Dimensionen, hier ist alles größer als sonst ausgefallen. Neben dem bereits erwähnten gigantischen Kristallluster, der erst im Saal vollends zusammen gebaut werden konnte, da er nicht durch die Tür passte, befinden sich noch zwei weitere Luster in den Seitenflügeln, mit jeweils 2 Meter Durchmesser. Außergewöhnlich an der Architektur des Theaters ist der freischwebende Balkon im Kinosaal, wodurch es keine Säulen gibt, die im Parterre die Sicht versperren könnten. Das Theater ist auf eine perfekte Akustik ausgerichtet und wurde bis heute nur geringfügig in seinem Aussehen verändert.

Der größte Schatz des Theaters ist aber mit Sicherheit die beeindruckende Wurlitzer-Orgel, die zur Begleitung der Stummfilme ein gesamtes Orchester ersetzen konnte. Das individuell für das Kino angefertigte Prachtinstrument nimmt vier Räume über der Bühne und die beiden Wandnischen ein und wird von einem Bedienungspult im Orchestergraben betrieben. Heute kann noch die Hälfte der Orgelteile bespielt werden und eine Generalsanierung ist in Planung. Der bekannteste Orgelspieler der Theaters war Eddie Weaver, der von 1961 bis 1981 am Pult Platz nahm. Der heutige Organist Bob Gulledge war Weavers Student und präsentiert nun jeden Samstag vor den beiden Abendvorstellungen den großartigen Orgelklang.

Folgend findet ihr Fotos dieses Filmpalastes und eine dreiteilige Dokumentation über das Theater!

ByrdTheatre_Auditorium02

Blick auf den Zuschauerraum, links im Bild Bob Culledge an der Wurlitzer-Orgel © https://rvanews.com/wp-content/uploads/2015/06/da4.jpg

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Panoramablick auf das Auditorium samt 7-Meter-Prachtluster © http://img.kelbymediagroup.com/scottkelby/wp-content/uploads/2015/03/Byrd-Theater-2.jpg

Byrd Theatre Homepage 

Byrd Theatre Facebook

Header: Kinosaal des Byrd Theatres © VenimosLosJodimosYNosFuimos, http://photos.cinematreasures.org/production/photos/101819/1401953889/large.jpg?1401953889

4 Gedanken zu “KINOJUWELEN: Byrd Theatre (USA)

  1. Wow einfach nur wow, dass nenne ich einen Schatz für Filmliebhaber. Da grenzte fast schon an den Größenwahn von Ludwig dem IV….

    Ps: Habe dich für den Liebsten Award nominiert^^ Falls wordpress dir dass nicht schon mitgeteilt hat….

    Gefällt 1 Person

  2. Appreciate the post. Very thorough.

    One somewhat relevant addition for you – the Byrd’s ongoing relationship with the America’s largest French Film Festival caught the attention of French Director Jean Achache, who filmed a documentary on The Byrd as 1 part of 6 documentaries on Mytical Cinemas for European Televison. Check out the write-up in LeMonde: http://www.lemonde.fr/televisions-radio/article/2016/06/04/splendeurs-et-miseres-des-salles-obscures_4935016_1655027.html

    Gefällt 1 Person

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