Väter und Töchter

Schriftsteller Jake Davis ist mit seiner Frau und seiner Tochter Katie im Auto unterwegs. Zwischen den beiden Eheleuten entbrennt ein Streit, der in einem verheerenden Autounfall mündet, bei dem Katies Mutter stirbt und Jake massive Schädelverletzungen erleidet. In weiterer Folge leidet er immer wieder an krampfartigen Anfällen bei denen er vollkommen die Kontrolle über seinen Körper verliert. Er muss in eine psychiatrische Klinik und lässt seine Tochter für sieben Monate bei seiner Schwägerin und ihrem Mann. Als er Katie, zu der er eine sehr enge Verbindung hat nach seiner Therapie wieder abholt, offenbaren ihm seine Schwägerin, die ihm die Schuld am Tod ihrer Schwester gibt und ihr Mann, dass sie Katie gerne adoptieren möchten, da Jake in ihren Augen nicht in der Lage ist für seine Tochter zu sorgen. Doch er will von dieser Idee nichts wissen, beginnt in ein beschwerliches aber liebevolles Zusammenleben mit seiner Tochter zurück zu finden und schreibt wieder an neuen Büchern, doch die Anfälle kehren wieder, was auch jenen nicht entgeht, die gerne die Vormundschaft über Katie hätte.

Der Film wird in ständigem Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzählt und legt den Fokus auf die Beziehung zwischen Katie und ihrem Vater. Der Zuschauer begleitet die erwachsene Katie, die Psychologie studiert und lieber unverbindlichen Sex hat, als sich auf tiefergehende Beziehungen einzulassen und springt immer wieder zurück zu Szenen mit ihrem Vater. An sich wäre eine Analyse von Vater-Tochter Beziehungen eine spannende Sache, würde der Film nicht in Pathos, Kitsch und Plattitüden versinken. Kalendersprüche werden als tiefschürfende Lebensweisheiten präsentiert und das Ensemble an talentierten Schauspielern und Schauspielerinnen ist heillos unterfordert. Zudem irritiert an Väter und Töchter, dass die Zusammenhänge zwischen frühen zwischenmenschlichen Erlebnissen und späteren Verhaltensweisen falsch präsentiert werden. Nur die Vater-Tochter Beziehung wird eingehend beleuchtet, von der man möglicherweise auf Katies Verlustängste schließen kann. Eigentlich steht aber ihre Angst vor Bindung und Nähe im Vordergrund, die sie von einer ganz anderen Person in ihrem Leben übernommen hat: ihrer Tante. Diese ungesunde Beziehung kommt aber nur in einer einzigen Szene vor. Gerade für einen Film, der seiner Hauptfigur ein Psychologie-Studium in den Lebenslauf schreibt, könnte man sich eine stimmigere Analyse von Ursache und Wirkung und mehr Tiefgang in der Zeichnung der Figuren erwarten.

Diese Rezension ist auch in der Juni-Ausgabe des ray Filmmagazins erschienen.

CREDITS

Originaltitel Fathers and Daughters

Land USA/Italien

Filmlänge 116 Min

Jahr 2015   

Kinostart AUT 09. Juni 2016

Genre Drama

Regie Gabriele Muccino

Drehbuch Brad Desch

Musik Paolo Buonvino

Kamera Shane Hurlbut

Schnitt Alex Rodriguez

Kostüm Isis Mussenden

Make Up Jeannee Josefczyk, Nancy Keslar, Marianne Skiba, u.a.

Szenenbild Daniel B. Clancy

Ton Cate Montana, Chris Strollo, Lewis Goldstein, u.a.

Produktion Andrea Leone Films, Busted Shark Productions, Fear of God Films, Voltage Pictures

Verleih AUT Einhorn Film

DarstellerInnen Russell Crowe, Amanda Seyfried, Aaron Paul, Diane Kruger, Quvenzhané Wallis, Bruce Greenwood, Octavia Spencer, u.a.

Drehorte Pittsburgh, Pennsylvania, USA / Park House, Pittsburgh, USA

Header: Russell Crowe und Kylie Rogers in „Väter und Töchter“ © http://media05.regionaut.meinbezirk.at/2016/05/31/10601395_web.jpg?1464690338

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