Was hat uns bloß so ruiniert

Als Stella und Markus den zwei eng mit ihnen befreundeten Pärchen eröffnen, dass sie Eltern werden, beschließen die anderen, dass es auch Zeit ist nachzuziehen und plötzlich stehen sechs junge Menschen um die 35 vor einem ganz neuen Abschnitt in ihrem Leben. Ziel Nummer 1 ist es zu beweisen, dass man Mutter und Vater sein kann ohne spießig zu werden. Mit dem Gedanken, dass man alles ganz anders und viel richtiger machen wird als die anderen ausgerüstet startet man in ein Projekt bei dem sich die Geister scheiden: die Kindererziehung. Das gut situierte Bobo-Leben mit Bio-Dinkel-Laibchen und Produkten mit Apfel-Logo, in dem man sich gerade erst zu Recht gefunden hat wird durcheinander gewirbelt. Die eigene Wichtigkeit wird in Frage gestellt, manchmal auch der Partner und man fragt sich, warum man, obwohl man alles besitzt und erreicht hat trotzdem nicht glücklich ist. Stella beschließt sich selbst und ihre Freunde auf dieser spannenden und beängstigenden Reise filmisch zu begleiten, immer wieder festzuhalten wie es den Protagonisten geht, am besten auf gnadenlos ehrliche Weise.

Marie Kreutzer ist mit Was hat uns bloß so ruiniert ein wunderbar komischer Blick auf die neue Elterngeneration gelungen. Die unterschiedlichen Gefühle der Elternschaft werden in kluge und witzige Worte gepackt und von einem großartigen Ensemble auf die Leinwand gebracht. Wie soll man es angehen? Alles bio, windelfrei und stets in Angst davor, der Selbstentfaltung des Kindes im Weg zu stehen? Alles egal und die Verantwortung abschieben? Diskutiert man mit anderen Eltern über den Zuckergehalt von Rosinen oder wirft man den letzten Nerv weg und tauscht seinen Matcha-Latte gegen ein Gin Tonic? Bekämpft man sich im Krieg der Erziehungstheorien oder reicht man sich die Hände mit der Einsicht, dass es in der langen Geschichte der Elternschaft wohl noch niemanden gab, der alles richtig gemacht hat? Fragen, die mit einer erfrischenden Mischung aus Tragik und Humor besprochen werden. Sei es die Erkenntnis, dass erzwungene Lässigkeit einen am Ende oft weit mehr stresst als ein gewisses Maß an spießiger Sicherheit oder dass man das Rad nicht neu erfinden muss um zu guten Eltern zu werden, man folgt der Clique und ihrem Weg durch den Erziehungsdschungel mit einem Schmunzeln auf den Lippen und erkennt sich in so manchem Gedanken wieder. Marie Kreutzer hält ihrer Generation einen Spiegel vor, in den es sich lohnt hinein zu blicken.

Diese Rezension ist auch in der September-Ausgabe des ray Filmmagazins erschienen.

CREDITS

Originaltitel Was hat uns bloss so ruiniert

Land Österreich

Filmlänge 96 Min

Jahr 2016   

Kinostart AUT 23. September 2016

Genre Komödie/Drama

Regie Marie Kreutzer

Drehbuch Marie Kreutzer

Musik Florian Blauensteiner

Kamera Leena Koppe

Schnitt Ulrike Kofler

Kostüm Monika Buttinger

Make Up Sam Dopona, Verena Eichtinger

Szenenbild Martin Reiter

Ton Odo Grötschnig

Produktion Novotny & Novotny

Verleih AUT Thimfilm

DarstellerInnen Vicky Krieps, Marcel Mohab, Pia Hierzegger, Manuel Rubey, Pheline Roggan, Andreas Kiendl, David Oberkogler, u.a.

Drehorte Wien

Header: Filmstill „Was hat uns bloß so ruiniert“ © http://www.filmfonds-wien.at/index.php?rex_resize=700c__310h__-50o___dsc8867_whubsr____juhani_zebra.jpg

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