Porträt: Conrad Veidt (1893 – 1943)

Von 12. Januar bis 28. Februar gibt es im Metro Kinokulturhaus anlässlich seines 125. Geburtstages die Filmarchiv-Retrospektive „Conrad Veidt – Dämon, Teufel, Held, Genie“ zu sehen. Eine gute Gelegenheit diesen wunderbaren Schauspieler etwas näher kennen zu lernen.

Conrad Veidt (c) MGM_Clarence Bull

Conrad Veidt © MGM/Clarence Bull

Conrad Veidt wurde am 22. Januar 1893 als Sohn einer bürgerlichen Familie in Berlin geboren. Seine schulischen Leistungen waren alles andere als berauschend, weshalb er 1912 das Schulwesen hinter sich ließ und sich seinem Traumberuf Schauspielerei zuwandte. 1913 begann er als Schauspielvolontär am Deutschen Theater von Max Reinhardt, doch dann kam der aufstrebenden Karriere der Erste Weltkrieg dazwischen. Veidt wurde an die Ostfront geschickt, wo er jedoch erkrankte und in weiterer Folge 1917 aus der Armee entlassen wurde. Bereits während des Krieges hatte er begonnen erste Filmrollen zu spielen unter anderem in Richard Oswalds Aufklärungs- und Sittenfilm Anders als die Andern, der als erster Film das Thema Homosexualität behandelte und damit einen Skandal auslöste.

Um sich selbst geeignete Hauptrollen aussuchen zu können, gründete Conrad Veidt 1919 eine eigene Produktionsfirma in der er bis 1920 bei mehreren Filmen als Regisseur und Produzent fungierte.

Den Durchbruch zum internationalen Filmstar verschaffte ihm schließlich seine Rolle als schlafwandelnder und dabei willenlos auf Befehl mordender Cesare in Robert Wienes Film Das Cabinet des Dr. Caligari.

Der Film, der heute noch als eines DER Paradebeispiele für den expressionistischen Film gilt, legte Veidt jedoch in weiterer Folge auch auf düstere und exzentrische Charaktere fest. So spielt er in Orlac’s Hände aus 1924 den Konzertpianisten Paul Orlac, der bei einem Zugunglück beide Hände verliert. Ihm werden die Hände eines eben hingerichteten Mörders transplantiert, doch fortan wird Orlac das Gefühl nicht los, dass die Hände und damit die Triebe des Mörders langsam von ihm Besitz ergreifen, bis sein ihm verhasster Vater getötet wird und Orlac unter Verdacht gerät.

Über Frankreich führt Veidt seine schauspielerische Reise schließlich 1927 nach Hollywood, wo er in dem Film The Man Who Laughs, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Victor Hugo den jungen Mann Gwynplaine spielte. Dessen Vater beleidigt König James II und wird daraufhin zum Tod in der Eisernen Jungfrau verurteilt. Gwynplaine selbst wird ebenfalls für die Tat seines Vaters bestraft: Der Meisterchirurg Dr. Hardquannone entstellt sein Gesicht, so dass er durch ein künstlich geschaffenes, andauerndes, irres Grinsen dazu verdammt ist bis in alle Ewigkeit über seinen törichten Vater zu lachen. Die Verkörperung der Figur durch Veidt war nachweislich die Inspiration für die Figur des Jokers in den späteren DC Comics.

Als sich Ende der 1920er Jahre schließlich der Tonfilm etablierte, geriet Conrad Veidt durch seinen starken deutschen Akzent ins Hintertreffen und kehrte nach vier Filmen wieder nach Deutschland zurück. Dort drehte er unter anderem Wilhelm Tell – Das Freiheitsdrama des Volkes. Als dieser Film Premiere feierte war Veidt aber bereits aus Deutschland nach Großbritannien geflohen. Joseph Goebbels hatte Veidt zuvor angeboten, dessen jüdischer Verlobter einen Ariernachweis auszustellen um den bekannten Schauspieler in Deutschland zu behalten. Doch Veidt, der als Gegner der Nationalsozialisten galt lehnte ab und nahm stattdessen die Rolle im britischen Film Jud Süß an. Infolgedessen wurde er von den Nazis unter Hausarrest gestellt und konnte, als sich Gerüchte über seine geplante Ermordung verbreiteten zusammen mit seiner mittlerweile Ehefrau im April 1933 nach Großbritannien flüchten.

1938 nahm Veidt die britische Staatsbürgerschaft an und drehte 1939 und 1940 drei Filme unter der Regie von Michael Powell: The Spy in Black, Contraband und Der Dieb von Bagdad. Letzterer ist die einzige Gelegenheit Conrad Veidt in Farbe zu bewundern.

1940 ging Veidt schließlich zurück in die USA und warb dort für den Eintritt der US-Amerikaner in den Zweiten Weltkrieg. Zusammen mit Norma Shearer und Robert Taylor trat er als deutscher General im Film Escape auf. Veidt hatte sich für die Bestsellerverfilmung, die sich als erster amerikanischer Film kritisch mit der politischen Lage in Deutschland auseinandersetzte vertraglich zusichern lassen, keinen sympathisch angelegten Nationalsozialisten spielen zu müssen. Den Großteil seiner Gage spendete Veidt der britischen Armee.

Seine bis heute bekannteste Rolle in Hollywood spielte Veidt an der Seite von Humphrey Bogart und Ingrid Bergman als deutscher Major Strasser in Casablanca, wobei er mit seiner Nebenrolle eine höhere Gage bekam als die Hauptdarsteller.

Conrad Veidt war auch in Hollywood auf die Rolle des Schurken festgelegt. Erst in seinem letzten Film Above Suspicion konnte er als Nazi-Widerstandskämpfer eine positive Rolle ergattern.

Im Laufe seines Lebens war Conrad Veidt drei Mal verheiratet. Von 1918 bis 1922 mit der deutschen Schauspielerin Gussy Holl, 1923 bis 1933 mit der Felicitas Radke, ihres Zeichens auch Schauspielerin und Mutter der gemeinsamen Tochter Viola Vera Veidt und von 1933 bis zu seinem Tod mit Ilona Preger.

Conrad Veidt starb am 03. April 1943 mit nur 50 Jahren an den Folgen eines schweren Herzinfarkts. Der deutsche Filmproduzent Erich Pommer sagte über Veidt: „Schwer zu entscheiden, was an ihm mehr zu bewundern war: sein Künstlertum oder seine Menschlichkeit!“

Conrad Veidt GIF

© GIPHY

Film in Words

Happy Birthday, Oded Fehr! Der 1970 in Tel Aviv geborene Schauspieler ist den meisten aus der Die Mumie-Reihe, den Resident Evil-Filmen oder Serien wie Sleeper Cell oder Covert Affairs bekannt. Deshalb gibt es heute ihm zu Ehren eine Lebensweisheit von Ardeth Bay, dem schlagfertigen und tiefgründigen Medjai-Anführer.

PS: Nebenbei bemerkt brauchte ich mal kurz einen Moment um zu verarbeiten, dass der zweite Teil der Mumie-Filme bereits 16 Jahre alt ist und der erste gar 18 Jahre O.o

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Film in Words „The Mummy Returns“ © Angela Sirch

KINOJUWELEN: Gloria Palast (DE)

Am 28. August 1956 wurde der Gloria Palast am Stachus in München mit einer großen Gala und zahlreichen Stars eröffnet. Ilse Kubaschewski, ihres Zeichens Grande Dame des deutschen Kinos und Inhaberin der Gloria-Filmverleih GmbH erfüllte sich mit der Eröffnung des 800 Sitzplätze umfassenden Filmtheaters auf dem neuesten technischen Stand einen Lebenstraum. Ein besonderes Highlight des Kinos waren in der Bühne eingebaute Wasserspiele: Vor jeder Vorstellung schossen von einer Orgel gesteuert und mit Musik untermalt meterhohe farbig illuminierte Wasserfontänen aus dem Boden und unterhielten das wartende Publikum.

Der Gloria Palast avancierte schnell zu einem beliebten Filmtheater, nicht nur beim Publikum sondern auch bei der Filmbranche, die regelmäßig rauschende Filmpremieren feierte. Kubaschewski selbst war eine der erfolgreichsten deutschen Filmproduzentinnen ihrer Zeit und sorgte daher auch selbst immer wieder für Nachschub im Kinoprogramm. Eine weitere Besonderheit des Kinos waren die mehrere Stockwerke umfassenden Dekorationsmalereien an der Hof-Fassade des Kinos, die durch eine spezielle Beleuchtung perfekt in Szene gesetzt wurden.

Seit 2004 wird der Gloria Palast von der Kinopolis-Gruppe betrieben und wurde nach einer fünfmonatigen umfassenden Renovierung 2012 mit mittlerweile 240 komfortablen Sesseln und einem beeindruckenden Service-Angebot wiedereröffnet. Die Sessel verfügen über Fußteile für besonders bequemes Sitzen und Besucher können köstliche Vor-, Haupt- und Nachspeisen bestellen, die in Etageren liebevoll angerichtet direkt zum Platz gebracht werden. Auf dem Kinoprogramm stehen aktuelle Filme, Übertragungen von Opern- und Ballettaufführungen und Matineen, die an den Wochenenden vormittags gezeigt werden.

Hier könnt ihr einen 360 Grad-Rundgang durch das Kino unternehmen:

Gloria Palast_Fassade 01 (c) Stephan Rumpf

Die Fassade des Gloria Palastes © Stephan Rumpf

Gloria Palast_Bar 01 (c) Gloria Palast

An der Bar können Kinobesucher vom Sekt bis zum Burger aus einer großen Speisekarte wählen © Gloria Palast

Gloria Palast_Kinosaal 02 (c) Gloria Palast

Blick auf den 240 Plätze umfassenden Saal © Gloria Palast

Gloria

Die bequemen Ledersessle bieten durch Fußstützen besonderen Komfort © Holger Rauner

Gloria Palast_Kinosaal 01 (c) Gloria Palast

Blick auf die Leinwand vom Balkon aus © Gloria Palast

Gloria Palast – Webseite

Gloria Palast – Facebook 

Header: Im Eingangsbereich in Creme und Rostrot werden die Gäste von einer eleganten Bar begrüßt © Holger Rauner

Film in Words

Heute hätte Burgess Meredith seinen 110ten Geburtstag gefeiert. Er war einer jener großartigen Schauspieler, die meistens in Nebenrollen geglänzt haben…aber wie wir alle wissen, sind die manchmal sogar interessanter als die Hauptfiguren 😉

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Film in Words „There Was a Crooked Man“ © Angela Sirch

Film in Words

Happy Birthday, Burt Lancaster! Der bekannte Schauspieler aus Good Old Hollywood würde heute seinen 104. Geburtstag feiern. Ihm zu Ehren gibt es deshalb heute ein Zitat aus dem Film Elmer Gantry, in dem Lancaster die titelgebende durchtriebene Hauptfigur spielt, die in der Zeit der Prohibition an der Seite einer jungen Frau als evangelischer Missionar durch die Lande zieht, bis er von seiner Vergangenheit heimgesucht wird.

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Film in Words „Elmer Gantry“ © Angela Sirch

KINOJUWELEN: Circle Theatre (CAN)

Das Circle Theatre in Alliston im kanadischen Ontario wurde von Oliver Stewart entworfen und im Februar 1938 fertiggestellt. Es war das erste Gebäude der Stadt, das über eine Klimaanlage verfügte. Der erste Film der gezeigt wurde war Artists and Models mit Jack Benny.

Stewart war ein gewiefter Geschäftsmann, aber dabei auch stets ein Förderer der Gemeinschaft und der umliegenden Läden. So präsentierte er am 21. Dezember 1939 zwei Gratis-Vorstellungen für Kinder, damit die Eltern in der Zwischenzeit ihre Weihnachtseinkäufe machen konnten. Die Stadt kam dadurch in den Genuss eines der erfolgreichsten Umsätze der letzten Jahre und Stewart unterhielt rund 1.000 Kinder mit seinen Vorführungen.

Die Kriegsjahre waren auch für das Circle Theatre eine harte Zeit. Vier Projektionisten mussten das Kino verlassen, weil sie einberufen wurden. Der letzte von ihnen, der das Kino verließ war Whitney MacDonald. Eben dieser kaufte Stewart 1958 das Circle Theatre ab. 1970 begann dessen Sohn Scott MacDonald das Kino zu managen, 15 Jahre später übernahmen er und seine Frau Linda das Kino vollends.

2011 starb Scott MacDonald erst 63-jährig an Krebs und das Kino musste geschlossen werden. Im folgenden Jahr kauften Peter und Kate Vander Zaag das Circle Theatre und begannen es umfassend zu renovieren. Vom Dach über die Wände und Böden bis hin zur Leinwand und der Tontechnik wurde alles auf den neuesten Stand gebracht. Am 09. November 2012 wurde das Kino mit den Filmen Hotel Transylvania und Pitch Perfect wieder eröffnet.

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Das Vintage-Leuchtschild des Circle Theatre © newvintagemedia.ca

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Die Fassade und der Eingangsbereich des Circle Theatre © newvintagemedia.ca

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Blick auf den Kinosaal © newvintagemedia.ca

Circle Theatre – Webseite 

Circle Theatre – Facebook 

Header: Der Eingangsbereich des Circle Theatre © Circle Theatre Facebook